© Tsekyi Thür

L.157

Eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Lampe, denn sie ist aus einer ehemaligen französischen Modérateur-Lampe zu einer britischen Petroleumlampe umgewandelt worden. Dabei hatte man die komplette Modérateur-Technik entfernt, innen ein passendes Petroleumbassin aus Messingblech integriert und oben einen Bajonett-Vasenring von Hinks & Son angelötet. Die komplette Lampe war ursprünglich versilbert, wovon jetzt allerdings nur kümmerliche Reste vorhanden sind. Aufgrund starken Putzens ist die Silberschicht insbesondere bei den Figuren fast vollständig abgerieben.

Die Lampe war irgendwann mal zu einer elektrischen Lampe umgewandelt, indem man löblicherweise nichts gebohrt oder zerstört hat, sondern einen Adapter mit Bajonett-Klammern eingesetzt hat, der wie ein Duplex-Brenner in die Bajonett-Stege des Vasenrings greift. Diesen Adapter kann man bei jeder beliebigen Lampe mit einem englischen Bajonett-Vasenring verwenden, wenn man möchte. Den mitgelieferten Seidenschirm mit Fransen habe ich entsorgt.

Ich habe die Lampe zunächst mit feinster Stahlwolle gesäubert und poliert. Anschließend habe ich sie mit meiner dunklen Schuhcreme grundiert und erneut poliert. Den Hintergrund des Frieses zwischen den Figuren habe ich komplett mit der dunklen Schuhcreme abgedeckt, so dass die Figuren jetzt äußerst effektvoll hervortreten.

Dieser Figurenfries stellt einen bacchischen Festzug dar: 3 Frauen und 5 Männer bilden den Fries. 2 Frauen spielen Musikinstrumente (Lyra, Tambourin) und eine Frau tanzt mit Kastagnetten. 2 Männer haben eigentümliche "Schwänzchen" auf der unteren Wirbelsäule, manche tragen Tierfelle, einer spielt an 2 Flöten, einer tanzt. Teile dieser Figuren sind von einer antiken Vase entnommen, die sich im Louvre befindet. Ein Teil des Frieses ist abgebildet im Buch von Jakob von Falke: Hellas und Rom - Eine Culturgeschichte des classischen Alterthums; ca. 1880.

Lampe wurde komplettiert mit einem Hinks-Brenner und Ovalbauch-Zylinder. Die etwas ungewöhnlich gewellte Tulpe ist dagegen aus den USA. Sie ist eigentlich für Gaslampen bestimmt, passt aber hier auch gut wegen der Farbe.

 

 

Lampendaten

Von mir ergänzt:
Brenner inkl. Kugelring, Glaszylinder und Tulpenschirm.

Reinigung und Reparatur:
Siehe oben.

Lampenkörper:
Sockelteil und Bassindeckel aus ornamental gedrücktem Messingblech mit Perlenbordüren. Fuß Ø 134 mm. Unter dem Fuß ein Eisengewicht.
Vase aus Kupferblech mit einem umlaufenden Fries aus Spielern/Musikanten eines hellenischen Festzuges, die stark plastisch und äußerst ausdruckstark dargestellt sind.
Bassin aus Messingblech, versteckt in der Vase, nicht herausnehmbar. Bassindeckel aus getrepptem Messingblech mit Perlenbordüre, mit Resten der ehemaligen Versilberung. Perlenbordüre Ø 115 mm. Bajonett-Vasenring gemarkt: Hinks & Son's Patent.

Brenner:
Duplex-Brenner von Hinks & Son, Birmingham, Bajonett-Anschluss, mit Galerie-Heber und Löscher; fest mit dem Kugelring.
Dochtrad gemarkt: Hinks No.2 Lever.
Brenner-Kappe gemarkt: Hinks & Son Patent.
Zwei Flachdochte je 27 mm. Saugdocht nicht vorgesehen.

Glaszylinder:
Duplex-Zylinder mit ovalem Bauch. Höhe 251 mm, Ø unten 64 mm.
Gemarkt: Fire Proof - Foreign + Anker.

Schirm und Schirmhalter:
Amerikanischer Tulpenschirm für Gaslampen, satiniertes Glas, oben dunkelrosa, unten heller, flach-transparente Blumen, Oberrand gewellt und eckig gerüscht. Gelippter Kragen.
Höhe 126 mm, Ø unten 101 und oben 200 mm.
100 mm Kugelring für 20’’’ Brenner; fester Bestandteil des Brenners.

Lampenmaße:
Höhe bis zum Vasenring 21,6 cm, Gesamthöhe mit Zylinder 51,0 cm.
Gesamtgewicht 2880 g.

 

 

 

Abbildung des Frieses von der antiken Lampe im Louvre
Aus: Jakob von Falke: Hellas und Rom - Eine Culturgeschichte des classischen Alterthums (veröffentlicht ca. 1880)