© Tsekyi Thür

Meine amerikanischen Lampen

Trotz hoher Versandkosten und zusätzlicher 19% Mehrwertsteuer beim deutschen Zoll erlaubte ich mir, einige zum Teil recht typische, einige auch schöne und seltene Lampen in eBay USA aufzustöbern und zu ersteigern. Natürlich musste ich bei manchen Fällen, bei denen die Preise sehr weit nach oben gingen, darauf verzichten, zuzuschlagen.

Ich habe sehr bewusst auf die Lampen aus simplem Pressglas der Anfangsära der Petroleumlampen in USA verzichtet. Sie waren mir viel zu einfach für meine Sammlung. Auch die kunterbunt bemalten „Gone with the wind“-Lampen schafften – von wenigen, nicht kompletten Ausnahmen abgesehen – nicht in meine Sammlung, da hier der europäische und amerikanische Geschmack ziemlich weit auseinander divergiert. Ich hätte doch gewünscht, eine typische, ausladende Hängelampe amerikanischen Typs zu erwerben, aber hier gingen die Preise über mein Budget. Und von den marktbeherrschenden Aladdin-Lampen hatte ich ein einziges, einigermaßen ästhetisch aussehendes Exemplar, das ich später wieder aus der Sammlung entfernt habe, da ich doch nur reine Petroleumlampen klassischer Technik in der Sammlung zusammentragen will.

Ich habe bei meiner Suche nach gut erhaltenen amerikanischen Lampen immer Wert daraufgelegt, nicht elektrifizierte Exemplare zu kaufen, da sonst so gut wie keine Hoffnung besteht, die fehlenden Teile des Brenners zu beschaffen. Ich habe nur in einem Fall eine Ausnahme zugelassen: L.314 ist eine mächtige, sehr seltene Lampe im Delft-Stil. Sie war zwar elektrifiziert, konnte aber leicht zurückverwandelt werden, da die Elektrofassung ganz einfach auf dem eigentlichen Brenner angelötet war. Ich hatte mich schon innerlich darauf eingerichtet, auf die fehlende, spezielle Flammscheibe des Brenners von Matthews & Willard möglicherweise eine sehr lange Zeit warten zu müssen. Es geschah ein Wunder, dass genau diese Flammscheibe nach 2 Wochen des Erwerbs der Lampe in eBay USA auftauchte!

Die Hälfte meiner amerikanischen Lampen besteht aus Zentralluftzug-Lampen der Ära von ca. 1885-1900. Mit Ausnahme von 5 Lampen, die komplett mit ihren Schirmen gekommen sind, musste ich bei allen anderen Lampen die passenden Schirme selbst besorgen. Fast alle Glaszylinder mussten auch neu gekauft werden; nur zwei amerikanische Zylinder sind alt und gemarkt.

 

Amerikanische Glaslampen in der Sammlung
Von links: L.193 (Fostoria) – L.080 (Consolidated) – L.233 (Bristol) / L.141 – L.168 – L.364 (Thomas Webb)

 

Die ersten drei Lampen gehören zu den klassischen „Gone with the wind“-Lampen, jedoch ohne ihre Original-Schirme. Ich musste diese Lampen mit farblich einigermaßen passenden Vesta-Schirmen komplettieren.

L.193 ist eine Lampe von der Glasmanufaktur Fostoria mit einer großen, bemalten Glasvase. Der 25 cm-Vesta-Schirm ist auch aus USA. Der Zentralluftzug-Brenner ist von Plume & Atwood für Fostoria hergestellt.

L.080 ist von der Glasmanufaktur Consolidated hergestellt. Sie war ein Hochzeitsgeschenk an ein Paar aus Deutschland, das nach USA emigriert war (Angabe des Verkäufers, dessen Großeltern das Hochzeitspaar war). Den verlorengegangenen Kristallbehang habe ich mit einem passenden Glasperlenbehang ersetzt. Auch hier ist der Brenner von Plume & Atwood. Der Schirm ist aus Deutschland.

Auch die Lampe L.233 von Bristol Glass & Clock Co. musste ich mit einem nachträglichen Schirm von Vianne komplettieren. Der Brenner ist original von Bristol. Der Schirmhalter ist von mir selbstgemacht.

L.141 ist eine typische, amerikanische Tischlampe mit dem Originalschirm, was selten in ihrer ursprünglichen, nicht elektrifizierten Form zu finden ist. Die Lampe hat einen großen #3 Duplex-Brenner von Plume & Atwood.

Die Lampe L.168 mit schön bemalten Narzissen war früher vermutlich der Unterteil einer „Gone with the wind“-Lampe; bei mir bekam sie eine ästhetisch gut passende britische Tulpe. Hier ist ein #3 Flachbrenner von Plume & Atwood im Dienst.

Bei L.364 mit ihrer aufwändig im Arabeskenstil bemalter Glasvase aus der berühmten Reihe „Moroccan Tapestry Design“ von der britischen Glasmanufaktur Thomas Webb musste ich eine blaue Vianne-Tulpe aufsetzen, um die Farbenharmonie nicht zu stören. Der #3 Flachbrenner ist von Edward Miller.

 

Einige Metall-Lampen von USA in der Sammlung
Von links: L.079 und L.303 (beide von E. Miller) – L.132 (Bradley & Hubbard) / L.257 und L.100 (beide von Rochester) – L.153

 

Die mächtige Miller Lamp L.079 ist von E. Miller. Wahrscheinlich hatte sie früher einen ebenfalls sehr großen Kugelschirm. Ich habe hier einen entsprechend großen Vesta-Schirm aufgesetzt, der vermutlich für spätere Hängelampen produziert war. Der #2 Zentralluftzug-Brenner ist natürlich von E. Miller.

Die kleinere, voll vernickelte Vestal Lamp L.303 ist auch von E. Miller. Diese Lampe konnte ich mit einem schön bemalten, alten amerikanischen Rochester-Schirm bestücken. Der Glaszylinder ist der einzige, gemarkte amerikanische Zylinder für Zentralluftzug-Brenner bei meinen Lampen.

L.132 von Bradley & Hubbard bekam einen handbemalten Vesta-Schirm aus relativ dickem Glas, wahrscheinlich aus Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Lampenkörper ist in zwei Farben (Messing und Kupfer) angefertigt.

Ebenfalls mit Messing und Kupfer in zwei Farben entworfene Lampe L.257 ist von Rochester. Der Zentralluftzug-Brenner ist von E. Miller für Rochester hergestellt. Der reizvoll bemalte Schirm gehört zu den alten Rochester-Schirmen.

L.100 von Rochester trägt die Bezeichnung New Rochester Lamp und weist eine innovative Dochtführung mit schräg angelegtem Dochtrad auf. Dieser Brenner ist von Bridgeport Brass Co. für Rochester angefertigt. Der schön bemalte, schwere Vesta-Schirm dürfte von ca. Mitte des 20. Jahrhunderts stammen.

Eine der meinem Gefühl nach schönsten amerikanischen Lampen in meiner Sammlung ist die Lampe L.153. Der gesamte Lampenkörper aus Zinkguss ist überschwänglich dekoriert mit vielen spielenden Kindern. Die elektrifizierte Lampe habe ich zu Petroleumlampe umgestellt. Ein großer Duplex-Brenner von P&A und eine reizvolle Gaslampen-Tulpe aus Großbritannien sind hier installiert.

 

Lampen aus unterschiedlichen Materialien
Von links: L.124 (Hollings) – L.249 (Simpson) – L.355 (E. Miller) / L.139 – L.314 – L.277

 

L.124 ist eine sehr europäisch anmutende, auch von ihrem Aufbau sehr interessante Lampe der Firma Hollings in Boston. Die zylindrische Vase ist von Gien aus Frankreich; der Brenner ist ein regulärer Duplex-Brenner von Wright & Butler aus Großbritannien. Die englische Tulpe passt der Lampe sehr gut, da sie den Blumenmotiv der Vase (Nelken) stilisiert wiederholt.

Die zweite Lampe L.249 könnte wiederum ganz aus Großbritannien stammen; sie hat mit den typischen US-Amerikanischen Lampen nichts gemein. Trotzdem ist sie aus USA. Die vollständig versilberte Lampe (inkl. Victor-Brenner von Plume & Atwood) ist markiert mit Simpson, H. M., USA. Diese zierliche, feine Lampe bekam dann eine im Stil sehr passende, feine Glaskugel von Baccarat.

Die dritte Lampe, L.355, ist ein typischer Vertreter der Übergangszeit von den einfachen zu den luxuriösen Lampen. Sie ist eine sog. Komposit-Lampe; ein Sockel aus Gusseisen und eine Skulptur aus Zinkguss sind mit einem Glasbassin kombiniert. Die Zinkguss-Figur dieser Lampe ist im Katalog von E. Miller von 1881 abgebildet. Der halboffene Gaslampenschirm ist fein geätzt.

Im rechten Foto sind die drei großen amerikanischen Lampen meiner Sammlung abgebildet. Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Nachfrage der großbürgerlichen amerikanischen Haushalte nach sehr imposanten, den immensen Reichtum ihrer Besitzer würdig demonstrierenden Lampen stark gestiegen. Es entstanden in dieser Zeit des Überflusses groß dimensionierte, üppig ausgestattete Lampen, die schon allein durch ihre Größe raumbeherrschend waren.

L.139 ist ein Vertreter der sog. „Gone with the wind“-Lampen, aber mit angenehm zurückhaltender, dezenter Bemalung und mit relativ seltenem, dreistufigem Aufbau aus Glasteilen. Der Zentralluftzug-Brenner ist von Plume & Atwood.

Die mächtige L.314 ist eine Keramiklampe, bemalt mit typischen Delft-Motiven. Die Keramikteile stammen aus Großbritannien; sie tragen die Bodenmarke von „Empire Porcelain Company, England“ von 1896. Der Brenner ist ein großer Zentralluftzug-Brenner von Matthews & Willard. Ich konnte nicht umhin, hier einen mächtigen 10 Zoll-Kugelschirm (aus Frankreich!) aufzusetzen.

Ähnlich großspurig, aber fast wieder europäisch anmutend ist die Säulenlampe L.277 mit einer britischen Tulpe. Von der äußerst feinen Porzellan-Bemalung bin ich sogar geneigt zu vermuten, dass sie ein Import aus Großbritannien sein könnte. Die Bodenmarken unten sind mysteriöser Weise ausgekratzt. Ich habe hier einen #3 Duplex-Brenner von Holmen, Booth & Haydens von ca. 1888 (Patent-Datum) eingesetzt.

Das letzte Foto zeigt die drei amerikanischen Studentenlampen in meiner Sammlung.

 

Studentenlampen aus USA
Von links: L.147 (Cleveland) – L.170 / L.137 (E. Miller)

 

L.147 von Cleveland Non-Explosive Lamp Co. ist eine regelrechte Kopie der Schiebelampen von C.A. Kleemann, die von Anfang an in den USA sehr beliebt waren. Bei diesen Schiebelampen wird die Dochtverstellung durch Drehen des Schirmreifs bewerkstelligt. Der Brenner ist ein Argand-Brenner für Petroleum, das von der seitlich angebrachten Sturz-Flasche zum Brenner fließt. Der Vesta-Schirm ist original.

Die Lampe L.170 ist eine doppelte Studentenlampe mit einer rätselhaften Herkunft, denn die Brenner sind herkömmliche Kosmos-Brenner aus deutscher Produktion. Es könnte sein, dass aufgrund der großen Beliebtheit der Studentenlampen in den USA ein deutscher Produzent solche Lampen für USA hergestellt hat. Das Petroleum für beide Brenner wird von der zentralen Sturzflasche geliefert. Auch bei dieser Lampe sind die hellblauen Vesta-Schirme original.

Die Studentenlampe L.137 vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist von E. Miller. Die Petroleum-Zufuhr ist durch die Sturz-Flasche gewährleistet. Der Brenner ist aber ein Duplex-Brenner von Plume & Atwood. Der dunkelgrüne Vesta-Schirm in Melonenform ist original.