© Tsekyi Thür

Brenner der Petroleumlampen

Der Brenner ist ohne Zweifel der wichtigste Bestandteil einer Petroleumlampe, denn er verbrennt das Petroleum und erzeugt dadurch das Licht, und das ist der eigentliche Zweck einer Lampe, unabhängig davon, wie groß oder klein, imposant-dekorativ oder schlicht und einfach sie auch ist. Die ökonomischen Zwänge, aus möglichst wenig Petroleum die maximal mögliche Lichtausbeute zu erzielen, haben zu einer stürmischen Entwicklung und Verbesserung der Petroleum-Brenner geführt.

Der gängigste, am meisten verbreitete Brenner kurz nach der Markteinführung der Petroleumlampen war der einfache Flachbrenner. Die Bezeichnung „Flachbrenner“ kommt von dem relativ schmalen, aber flachen Docht, der in solchen Brennern verwendet wurde. Der flache Docht war schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich erfunden worden (siehe Kapitel Entwicklung) und lange in den damals erhältlichen Öllampen verwendet. Nach dem Aufkommen des Petroleums als Brennflüssigkeit musste man den Brenner mit dem flachen Docht soweit ändern, dass eine gute Durchmischung der Luft mit den flüchtigen Anteilen des Petroleums in einer kuppelähnlichen Kammer (genannt „Kappe“ oder auch „Brennkapsel“, siehe Der Flachbrenner) gelang. Damit war der „Flachbrenner“ geboren, den man heute bei vielen älteren Petroleumlampen findet. Diese Brennerart war eine gewisse Zeit der „Alleinherrscher“ in der noch jungen Geschichte der Petroleumlampen, bis die Rundbrenner auf den Markt kamen. Sie konnten breitere Flachdochte zu einem hohlen Docht formen, der dank des jetzt möglichen inneren Luftstroms eine bessere, d.h. hellere Flamme ergab. Die Rundbrenner haben dann in den folgenden Jahrzehnten den Markt erobert, bis sie ihrerseits von Glühstrumpf-Brennern vom Markt verdrängt wurden, da diese Brenner ein Licht erzeugten, dessen Helligkeit von keinem gewöhnlichen Brenner erreicht werden konnte. Eine noch innovativere, technisch ganz ausgereifte Verbesserung der Lichthelligkeit gelang schließlich mit Lampen, die die Brennflüssigkeit unter Druck vergasten und dadurch mehrere Glühstrumpfe in einer Lampe zum Glühen brachten.

Damit endet die Ära der Brenner, egal welche Art von Brennflüssigkeit sie brannten. Denn jetzt kamen die elektrischen Glühbirnen, die keinen Brenner und keine Brennflüssigkeit nötig hatten, um Licht zu erzeugen. Ein glühfähiges Metalldraht und elektrischer Strom hatten die Brenner der Petroleum-Ära ersetzt. Seitdem genießt die Menschheit das elektrische Licht. Es ist so einfach, ein genügend helles Licht mit einem einfachen Schalter an der Wand anzuknipsen. Vergessen waren die Zeiten mit dem ganzen Umstand des Lampen-Befüllens, Zylinder-Putzens, Brenner-Anzündens, usw. Eine einzige Glühbirne konnte mehrere Petroleumlampen herkömmlicher Art ersetzen. Man kann sich kaum vorstellen, wie schwach das Licht einer brennenden Flamme der Petroleumlampe ist im Vergleich zu einer sogar kleinen Glühbirne. Als es dem Schweizer Ami Argand gelungen war, seinen revolutionierenden Brenner vorzustellen, waren seine Zeitgenossen entzückt, wie hell diese Flamme im Vergleich zur einfachen Öllampen-Flämmchen war. Einige klagten sogar über eine zu hohe Helligkeit, die den Augen schaden würde! Was würden diese Menschen empfinden, wenn sie heute ein paar Momente lang in unsere lichtdurchflutete Welt hinein schauen könnten?

Und zurzeit werden auch diese elektrischen Glühbirnen, wie wir sie lange genannt haben, von einer ganz anderen Art der Lichterzeugung, nämlich von LED-Lämpchen ersetzt, die die gewohnte Bequemlichkeit mit einer enormen Sparsamkeit vereinen, denn sie verbrauchen nur noch einen Bruchteil des elektrischen Stroms, um eine gleichwertige Helligkeit zu erzeugen.

Nach diesem Exkurs zur Beleuchtungsgeschichte der letzten 250 Jahre jetzt nochmal zurück zu unseren alten Petroleumbrennern: Es ist bemerkenswert, dass zunächst zwei geometrische Begriffe, „flach“ und „rund“, die ganze Brennerwelt bei den herkömmlichen Petroleumlampen charakterisieren. Folglich ist sich die Fachwelt darin einig, dass es zwei hauptsächliche Arten von Brennern gibt, die in den Petroleumlampen verwendet wurden:

a) Flachbrenner
b) Rundbrenner

Ich erweitere diese Zweiteilung folgendermaßen, um eine sinnvollere Unterscheidung zu ermöglichen:

a) Flachbrenner
b) Duplex-Brenner
c) Kosmos-Brenner
d) Flammscheiben-Brenner
e) Andere Brenner

Jeder dieser Brennertypen wird in einem eigenen Kapitel vorgestellt.

Hier möchte ich allerdings – etwas vorgreifend auf die einzelnen Kapitel der Brenner – den allgemeinen Aufbau der Petroleumbrenner an den drei wichtigsten Vertretern schematisch zeigen.

 

Schematischer Aufbau und Teile der wichtigsten Petroleumbrenner
Links: Der Flachbrenner
Mitte: Der Kosmos-Brenner
Rechts: Der Flammscheiben-Brenner (Dochttrieb hier mit Zahnrädern)

 


1. Brenner-Gewinde: Fast alle Brenner haben unten ein Gewinde, mit dem sie in den Vasenring des Petroleumtanks eingeschraubt werden können. Ausnahmen bilden Duplex-Brenner mit Bajonett-anschluss und kleinere Aufsteck-Brenner.

2. Dochtrad-Ring: Der Dochtrad-Ring ist unmittelbar über dem Brenner-Gewinde fest angefügt. Der Dochtrad-Ring (meine eigene Bezeichnung; keine gängige Nomenklatur) ist von mir so genannt, da er üblicherweise das Dochtrad des Brenners trägt. In einer Kammer innerhalb dieses Rings befinden sich die Zahnräder, mit denen man den Docht nach oben oder nach unten bewegen kann (Dochttrieb).

3. Dochtrad: Das Dochtrad ist das äußere Drehrad, mit dem man die inneren Zahnräder drehen kann. Auch dieser Begriff ist meine eigene Bezeichnung. Es gibt viele andere Bezeichnungen für das Dochtrad in der Literatur, die zum Teil sehr deutsch-holprig daherkommen wie z.B. „Dochttriebschlüssel“, „Dochttriebrad“, usw. Die englisch-sprachigen Völker nennen so was sehr einfach und prägnant „wick knob“ oder „wick wheel“, und jeder versteht, was gemeint ist.

4. Korb-Gewinde: Oberhalb des Dochtrad-Rings befindet sich wieder ein fest gefügtes Gewinde (nicht bei Flachbrennern, sondern bei den Rundbrennern), an dem der Korb des Brenners eingeschraubt wird. Daher nenne ich dieses Gewinde Korb-Gewinde, um es vom Brenner-Gewinde zu unterscheiden. Im oberen schematischen Bild ist das Korb-Gewinde nicht zu sehen, dafür aber im folgenden Foto. Das Korb-Gewinde hat bei sehr vielen Brennern dieselbe Größe wie das Brenner-Gewinde. Es gibt allerdings Ausnahmen.

5. Korb: An dem Korb-Gewinde ist der Brenner-Korb angeschraubt, durch dessen Luftöffnungen (Löcher und Schlitze unterschiedlichen Musters) die Luft hineinströmt, um als äußere und innere Luftzufuhr die Verbrennung des Petroleums am Docht sichtbar zu verbessern. Dieser Korb kann konkav (wie bei vielen Flachbrennern), konvex (wie bei sehr vielen Rundbrennern ohne und mit Flammscheibe) oder gar zylindrisch (wie bei den Weißlicht-Brennern) sein.

6. Galerie: Der Brenner-Korb ist meistens fest mit der Brenner-Galerie verbunden. Die Galerie enthält biegbare Zacken (oder Zähne), mit denen der eingesetzte Glaszylinder festgehalten wird. Bei den Wiener Flachbrennern gibt es keine Zacken, sondern rechteckige Lamellen, die wiederum etwas beweglich sind. Die Schirmhalterungen (z.B. Kugelringe) werden auch an dieser Galerie befestigt. Bei allen Brennern mit einer Hebebühne (siehe Unterkapitel Heber und Löscher) müssen Korb und Galerie voneinander trennbar sein. Bei den Brennern ohne Hebebühne sind sie in der Regel fest zusammengefügt. Es gibt allerdings Ausnahmen, bei denen der Korb fest am Brandrohr angebracht ist und die Galerie wird dann am Korb geschraubt oder mit Bajonettanschluss befestigt.

7. Brandrohr: Innerhalb des Korbs und fest mit dem Korb-Gewinde verbunden befindet sich das Brandrohr, in dem sich der Docht befindet, der am oberen Ende des Brandrohrs brennt. Daher die Bezeichnung „Brandrohr“. Das Brandrohr ist bei den Flachbrennern ein flach gedrücktes rechteckiges Rohr, dessen Maße in der Breite und Dicke dem verwendeten Flachdocht entsprechen. Das Brandrohr bei den Rundbrennern besteht dagegen aus zwei runden, konzentrischen Rohren (das innere und das äußere Brandrohr), in denen der Flachdocht zu einem Runddocht geformt wird. Das Brandrohr bei den sog. Zentralluftzug-Brennern ist allerdings anders konstruiert (siehe unten).

8. Seitlicher Lufteinlass: Der Durchmesser des Brandrohrs ist unten größer als oben, um Platz zu schaffen für eine seitliche Öffnung. Diese seitliche Öffnung gewährleistet die innere Luftzufuhr zur Flamme und ist der wichtigste Unterschied zu den Brennern mit zentralem Luftzug. Die Öffnung für den seitlichen Lufteinlass kann dreieckig wie bei Kosmos-Brennern oder rechteckig  wie bei den größeren Flammscheiben-Brennern sein.

9. Kappe: Ein wesentlicher Bestandteil der Flachbrenner ist die domförmige Kappe, die meistens abnehmbar im Korb platziert ist und oben einen länglichen Schlitz hat, woraus die Flamme rauskommt. Die Kappe dient zu einer verbesserten Mischung der durch die Korbschlitze hereinströmenden Luft mit den gasförmigen Bestandteilen von Petroleum. Eine Kappe besitzen nur Flachbrenner und Duplex-Brenner.

10. Deflektor: Der Deflektor ist ein rundes Rohr, das innerhalb der Brenner-Galerie rund um das Brandrohr platziert ist. Er ist ein fester Bestandteil der Brenner-Galerie bei allen Rundbrennern, ob mit oder ohne Flammscheibe. Der Deflektor ist ein Luftleitrohr, dessen Aufgabe darin besteht, die äußere Luftzufuhr noch enger an die Außenflanken der Flamme zu lenken und damit den Kontakt der Flamme mit Luft zu intensivieren.

Der Deflektor ist eines der Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen Kosmos- und Flammscheiben-Brennern. Bei allen Brennern ohne Flammscheibe ist der Deflektor so kurz, dass seine Oberkante nicht über die Galerie-Zacken hinausragt; er ist also nicht sichtbar, wenn man einen Kosmos-Brenner von der Seite anschaut. Bei den Flammscheiben-Brennern ist der Deflektor nach oben verlängert, so dass er bei der seitlichen Betrachtung des Brenners sichtbar wird. Bei 15-linigen Brennern ragt der Deflektor manchmal gut sichtbar, manchmal aber auch kaum sichtbar über die Zacken der Galerie hinaus. Bei größeren Brennern mit 20 Linien und darüber ist er sogar ein dominanter Teil des Brenners und bedeckt das Brandrohr so, dass nur die Oberkante des Brandrohrs gerade noch zu sehen ist. Manchmal ist der Deflektor sogar länger als das Brandrohr. Die vorteilhaften Gründe dafür werden im Kapitel Glaszylinder erläutert.

11. Flammscheibe: Bei den Flammscheiben-Brennern trägt das Brandrohr oben die jetzt obligatorische Flammscheibe. Flammscheiben können ganz unterschiedliche Formen und Größen haben (siehe dazu auch das Kapitel Flammscheiben-Brenner). Die Aufgabe der Flammscheibe ist in erster Linie die Lenkung der inneren Luftzufuhr intensiver an die Innenflanken der Flamme.

 

Brandrohr-Gestaltung bei den Rundbrennern
Links: Das Brandrohr eines Kosmos-Brenners
Mitte: Das Brandrohr eines Flammscheiben-Brenners (Dochttrieb hier mit Zahnstange)
Rechts: Das innere Brandrohr eines Zentralluftzug-Brenners

 

12. Zahnstangen-Dochttrieb: Die allermeisten kleinen bis mittelgroßen Brenner haben im Innern des Dochtrad-Rings 2-4 Zahnräder, die mit dem Dochtrad gedreht werden können, um den Docht zu bewegen. Bei großen und hochwertigen Flammscheiben-Brennern hat man dagegen einen Zylinder mit einer daran befestigten Zahnstange eingeführt, um die Bewegung des Dochtes im Brandrohr zu erleichtern. Die unterschiedlichen Dochttriebarten erläutere ich detailliert im Unterkapitel Docht und Dochttrieb.

Brenner mit dem Zentralluftzug: Die Brenner bei den Lampen mit dem zentralen Luftzug haben einen gravierenden Unterschied zu den Brennern mit der seitlichen Luftzufuhr. Während das Brandrohr mit seitlichem Lufteinlass aus zwei fest miteinander verbundenen, konzentrischen Rohren besteht (siehe oben), ist es bei den Zentralluftzug-Brennern aus zwei völlig getrennten Rohren gebildet. Das äußere Brandrohr ist nach wie vor am Brenner selbst fixiert, und zwar genau so, wie oben bei dem Brandrohr (7) beschrieben. Das innere Brandrohr ist dagegen gar nicht mit dem Brenner verbunden, sondern ist ein integraler Bestandteil des Petroleumtanks. Es ist ein langes, zylindrisches Rohr, das durch den Petroleumtank hindurch bis zu seinem Boden reicht und unten offen ist. Durch diese untere Öffnung strömt die Luft nach oben und fungiert als die innere Luftzufuhr. Dieser Brennertypus ist sozusagen die Weiterführung des Argand’schen Ölbrenners in moderner Form, da er jetzt oben eine Flammscheibe trägt. Der Docht befindet sich zwischen dem inneren (am Petroleumtank befestigt, nicht abnehmbar) und dem äußeren (am Brennerkorb befestigt, gemeinsam mit diesem abnehmbar) Brandrohr. Diese Brenner nennt man allgemein Zentralluftzug-Brenner.

Bevor wir dieses Kapitel schließen, möchte ich noch einige wichtige Aspekte erwähnen.

A) Der Brenner mit all seinen Bestandteilen ist fast immer aus Messingblech angefertigt, da Messing sich hervorragend zu Blech von beliebiger Dicke verarbeiten, sehr einfach stanzen und zu allen möglichen Formen verformen lässt. Außerdem rostet er nicht wie Eisen. Der einzige Nachteil von Messing ist, dass es mit der Zeit anläuft und braun bis dunkelbraun wird, wenn man es nicht von Zeit zu Zeit reinigt. In den Anfangsjahren der Petroleumlampen gab es aber auch Flachbrenner, die ganz oder teilweise aus Eisen hergestellt wurden. Diese Brenner waren wohl dazu vorgesehen, bei den billigeren Lampen eingesetzt zu werden. Es gab weiterhin Brenner aus dem üblichen Messingblech,  die zusätzlich vernickelt, verchromt oder gar versilbert wurden, je nachdem, welche Farbzusammenstellung der Hersteller bei seinen Lampen anstrebte. Sehr hochwertige britische Lampen hatten oft versilberte Brenner, die dann mit einem transparenten Schutzlack gegen Anlaufen geschützt waren.

B) Die Brennerteile sind bei der Herstellung fast immer in emsiger Handarbeit zusammenverlötet worden. Das war eine heikle Arbeit, denn die Teile sollten in ihren exakten Positionen ohne Abweichungen gelötet werden. Einige wenige Teile ließen sich auch maschinell zu einer Einheit zusammenpressen. Das Löten geschah fast immer mit Weichlot (Bleilot). Nur bei den Brennern für Backofenbeleuchtung hat man Hartlot verwendet. Daher Vorsicht bei der Reinigung und Reparatur von Brennern. Man darf sie nicht längere Zeit über 250-280°C erhitzen.

C) Sie werden in den nächsten Kapiteln immer wieder Abkürzungen von Firmen-Namen entdecken. Erfahrene Sammler wissen sofort, welche Firma gemeint ist, wenn sie eine solche Abkürzung erblicken. Hier sind etliche Abkürzungen alphabetisch gelistet:

B&H = Bradley & Hubbard, USA
B&L = Brendel & Loewig, Berlin
B&R = Bünte & Remmler, Frankfurt
BJB
= Brökelmann, Jaeger & Busse, Neheim
C.H. = Carl Holy, Berlin
E&G = Ehrich & Graetz, Berlin
H.S. = Hugo Schneider, Leipzig
K&G = Kaiser & Gundlach, Berlin
K&T = Kästner & Töbelmann, Erfurt
L&B
= Lempereur & Bernard, Lüttich
L&F = Lacroix & ferrary, Caen
M&B = Maris & Besnard, Paris
M&W = Matthews & Willard, USA
O.M. = Otto Müller, Berlin
P&A = Plume & Atwood, USA
Q&H = Quaadt & Hirschson, Berlin
S&B = Schuster & Baer, Berlin
S&G = Schwintzer & Gräff, Berlin
S&S = Schubert & Sorge, Leipzig-Reudnitz
S.I. = Societé Industrielle d’Articles d’Éclairage, Paris
T&B = Thiel & Bardenheuer, Ruhla
W&B = Wright & Butler, Birmingham
W&W = Wild & Wessel, Berlin

 

Dazu noch zwei Abkürzungen aus meiner Feder (wegen sonst leichter Verwechslung mit E&G und W&W):

 

EGli = Eckel & Glinicke, Berlin
WeWi = Wetzchewald & Wilmes, Neheim