© Tsekyi Thür

Entwicklung der Petroleumlampe

Petroleumlampe ist nicht „erfunden“, wie von manchen Leuten behauptet wird. Sie ist die konsequente Weiterentwicklung von Argand’schen Öllampen, deren tatsächliche Erfindung fast ein Jahrhundert zurück lag, als erste Petroleumlampen zur Verwendung kamen. Um diese geschichtliche Entwicklung besser zu verstehen, muss man zunächst die Unterschiede zwischen Öl- und Petroleumlampen studieren.

Das meiste, was hier in diesem Kapitel in geraffter Form beschrieben wird, verdanke ich Herrn Dr. Touché. In seinem Buch „Leuchtende Vergangenheit“ sind alle Entwicklungsschritte der künstlichen Beleuchtung detailliert beschrieben (siehe Literatur und Quellen).



Fette Öle und Mineralöle

Öle sind, nach einer sehr allgemeinen Definition, mit Wasser nicht mischbare Flüssigkeiten. Es gibt einerseits „fette Öle“, die aus Pflanzen (= pflanzliche Öle wie Olivenöl, Leinöl) und Tieren (= tierische Öle wie Lebertran) gewonnen werden; und andererseits „Mineralöle“, die in den fossilen Rückständen in der Erde enthalten sind, zum Beispiel Erdöl und seine Bestandteile. Diese beiden Hauptgruppen haben die meisten Leuchtquellen der Menschheit noch bis vor kurzem ausgemacht. Es gibt zwar noch andere Öle, wie die ätherischen Öle aus Pflanzen zur Dufterzeugung oder zu kosmetischen Zwecken, die aber nicht zu Leuchtzwecken verwendet werden. Diese verschiedenen Ölarten haben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen, womit sie sich in ihren Anwendungseigenschaften voneinander unterscheiden.

Die althergebrachten, von der Antike bis zum 19. Jahrhundert verwendeten Öllampen verbrennen an sich zum größten Teil vegetabiles, d.h. pflanzliches Öl. Pflanzliche Öle sind solche, die man aus Pflanzenteilen gewinnt, z.B. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rüböl (Rapsöl), Leinöl, Distelöl, etc. Insbesondere das Olivenöl, das seit 2-3 Tausend Jahren den Menschen zur Verfügung stand, wurde als Brennflüssigkeit in Öllampen verwendet. Noch lange vor der Gewinnung der pflanzlichen Öle waren nur tierische Fette und Öle, die in kleinen Behältern mit einem Docht verbrannt wurden, neben Lagerfeuer, Herdfeuer, Kienspan und Fackel die einzigen künstlichen Lichtquellen der Menschen. Anfänglich dienten Steine, die in Form von kleinen Schüsseln ausgehöhlt wurden, oder Muschelschalen als Ölbehälter und Lampe; später in den antiken Zeiten der Hellenen und Römer wurden geeignete Lämpchen aus Terrakotta hergestellt, die aus einem mehr oder weniger verzierten Hohlkörper besteht, der vorne nach oben hin eine kleine Öffnung für den Docht aufweist. Luxusvarianten davon waren fein ziselierte, in Bronze gegossene Lampen, die wohl nur in sehr vermögenden Häusern Licht verbreiteten. Auch in unserer Zeit kann man Öllampen in Benutzung finden, allerdings vielmehr als sakrales Licht in orthodoxen Kirchen, auch in manchen Moscheen, die diesen Gebrauch noch beibehalten haben.

Das Olivenöl, stellvertretend für alle anderen pflanzlichen und tierischen Öle, ist an sich alleine nicht brennbar; es braucht einen Docht, an dem Bestandteile des Öls erhitzt, verdampft und verbrannt werden können. Der Docht ist ein einfaches Gebilde aus dick verdrehter Baumwolle, Leinen oder irgendeinem anderen Stoff. Das Dochtende schwimmt, eingesteckt in einem geeigneten Holz- oder Korkstückchen, auf dem Öl, und kann dort direkt angezündet werden. Der Docht brennt sozusagen unmittelbar oberhalb der Öloberfläche.

Jahrhundertelang existierten pflanzliche wie tierische Öle nebeneinander als Brennstoff in Öllampen. Dort, wo man ölproduzierende Pflanzen kultivieren konnte, wurde vorwiegend Pflanzenöl verwendet, das wohl auch den weit größeren Teil der verwendeten Öle darstellte. In anderen Gegenden, wo Pflanzenöle nicht zur Verfügung standen, musste man Fette von Tieren verwenden, die allerdings in ungereinigtem Zustand sehr übel stanken und reichlich qualmten. Zu diesen tierischen Fetten gehörte Talg, mit dem man eher Kerzen hergestellt hat wegen seiner relativen Festigkeit, aber noch vielmehr Fette und Öle von Walen, die man schon seit dem 18. Jahrhundert und in sehr großem Umfang im 19. Jahrhundert jagte. Das „Walöl“ hat einige Generationen von Menschen über die dunkle Zeit der Nacht hinweg geholfen, aber die Walpopulation in den Ozeanen stark dezimiert.

Das Licht, das das Verbrennen der pflanzlichen Öle und tierischen Fette in einer Öllampe verbreitete, war aber nicht viel besser als das Licht einer Kerze. Es war zu schwach, um eine gute Helligkeit zu ergeben, und stank und rußte auch erheblich, insbesondere wenn die zu verbrennenden Öle und Fette nicht genügend gereinigt waren. Man hat daher über technische Verbesserungen nachgedacht, um die Flamme der Öllampe heller brennen zu lassen.