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Petroleumtank / Bassin

Gleichgültig ob von außen sichtbar auf einem Mittelteil montiert oder in einem vasenähnlichen, äußeren Gefäß versteckt, der Petroleumtank hat die wichtige, funktionale Aufgabe, eine genügend große Menge Petroleum (meistens 0,3 – 0,8 Liter) aufzunehmen und außerdem den Petroleumbrenner festzuhalten. Wie oben schon mehrfach beschrieben, können Petroleumtanks aus unterschiedlichen Materialien wie Glas, Metallblech, Porzellan oder Keramik bestehen und auch unterschiedlich dekoriert sein.

Die Form des sichtbar angebrachten Petroleumtanks ist fast immer rund, oft von unten nach oben breiter werdend, eventuell mit Einbuchtungen oder Einschnürungen an den Seiten. Das Material des Petroleumtanks ist zum größten Teil farbloses oder farbiges Glas, das mundgeblasen oder in Form gepresst sein kann, oder auch aus Metall, meist aus Messingblech, das ornamental verziert oder auch völlig blank, also ganz ohne Zierrat ist.

 

Beispiele für Bassins, die von außen sichtbar sind
Obere Reihe: Kristallglas geschliffen – Bemaltes Glas – Geprägtes Glas – Opalglas
Mittlere Reihe: Geätztes Glas – Uranglas – Gesprenkeltes Glas – Glas mit Applikationen
Untere Reihe: Porzellan – Keramik – Messingblech – Kupferblech

 

Bei den Lampen mit einem versteckten Petroleumtank wird dieser in die obere Öffnung der Vase eingesteckt, so dass nur noch der Deckel des Tanks sichtbar bleibt, während der eigentliche Behälter in der Vase versteckt ist. Der Petroleumtank zum Einstecken besteht sehr oft aus einem Behälter aus farblos-transparentem Glas oder verzinktem Eisenblech und aus einem Deckel, der diesen Behälter oben abschließt. An diesem Deckel ist der sog. Vasenring aus Messingblech (seltener aus Zinkguss) angebracht, der zum Einschrauben des Brenners dient. Der Deckel des Petroleumtanks ist – zumindest in der Mehrzahl der Fälle, insbesondere bei den Zinkguss- und Majolika-Lampen – zur Vase passend, das heißt aus demselben Material und mit gleicher oder passender Ornamentik gestaltet, so dass die Vase oben in jeder Hinsicht harmonisch passend geschlossen wird. Die Vase und der Deckel bilden dadurch ein einheitliches Aussehen. Besteht der Tank aus Glas oder Keramik, hat man ihn mit dem Deckel mit einem geeigneten Klebematerial, meistens Gips, Fensterkitt oder Ähnliches, verbunden. Ist der Tank aus Metall, ist er vermutlich mit dem Deckel gelötet, denn dann ist der Deckel auch meistens aus Metall.

Eine Ausnahme bilden Glasbassins, die in die Vase eingesteckt werden, deren breiter gestaltetes Oberteil dagegen außerhalb der Vase gut sichtbar bleibt. Zu dieser Kategorie gehören Glasbassins aus opak-weißem, unbemaltem Milchglas sowie farbig bemalte, im Dekor und Aussehen der Vase angepasste Glasbassins. Die ersteren sind häufig bei Lampen mit einer kelchförmigen Vase aus Zinkguss zu finden, die letzteren jedoch nur in hochwertigen Lampen aus bemaltem Glas, deren Dekoration maßgeblich für die Verzierung des Glasbassins ist. Ähnliche Bassins gibt es aus geprägtem, dekoriertem Messingblech, die wiederum in gleich dekorierten Vasen aus Messingblech stecken. Insbesondere belgische Lampenhersteller haben diesen Typus oft angewendet. Petroleumtanks aus Zink- und Kupferblech, oder gar aus Keramik oder Porzellan sind seltener.

 

Beispiele für Bassins, die in einer Vase eingesteckt werden
Obere Reihe: Glas mit Zinkguss-Deckel – Glas mit Majolika-Deckel – Eisenblech (vermessingt) mit Messingdeckel –  Kupferblech mit Zinkguss-Deckel
Untere Reihe: Messingblech – Glas – Porzellan – Keramik

 

Es gibt sehr viele Lampen, die aus Teilen zusammengefügt sind, die nicht miteinander fest verbunden sind. Insbesondere Lampen, deren Vase aus Glas, Porzellan oder Keramik besteht, deren Fußteil dagegen aus einem Metall, meistens aus Messingguss oder Zinkguss, angefertigt ist, brauchen eine Anordnung, um fest miteinander verknüpft zu werden. Um diese Aufgabe zu erfüllen hat man einen Gewindestab eingesetzt, der den oberen Teil der Lampe fest mit dem Sockel verbindet, indem er die beiden Teile zusammen verschraubt. Ist der Petroleumtank oben aus Metall angefertigt, hat man unter diesem Tank eine Mutter angelötet, um den Gewindestab dort einzuschrauben. Ist der Petroleumtank dagegen aus einem nicht-metallischen Behälter wie Glas oder Keramik, musste man einen Zusatzbehälter aus Metall als eine Hilfskonstruktion einsetzen, um daran die Mutter anlöten zu können. Dieser Zusatzbehälter (sehr oft aus Messingblech, viel seltener aus Eisen- oder Zinkblech) ist wie ein Becher, dessen obere Kante nach außen ausladend ist, um auf der Oberkante der Vase zu stehen. Eine weitere Variante kommt vor, wenn die untere Öffnung der Vase das Anbringen einer Unterlegscheibe mit Mutter erlaubt. Bei dieser Anordnung braucht der Gewindestab keinen Metallbassin oder Zusatzbehälter, um daran eingeschraubt zu werden.

Ein fest angezogener Gewindestab befestigt alle losen Teile einer Lampe zusammen. Bei den Lampen, deren Fußteil und Vase schon fest zusammengefügt sind, braucht man natürlich keinen Gewindestab. Das sind z.B. Lampen aus Zinkguss und Messingblech, deren Sockel mit der Vase schon bei der Herstellung der Lampe fest zusammengefügt wurden (verschweißt oder verlötet), oder Lampen aus Glas, deren Fuß mit der Vase gemeinsam in einem Stück produziert wurde.

 


Schematische Darstellung von Einsteck-Bassins
A) Komplettes Glas- oder Messingbassin eingehängt in einer Glas- bzw. Messinglampe.
B) Glasbassin mit Zinkguss-Deckel in einer Zinkguss-Lampe aus einem Stück.
C) Lampe aus mehreren Teilen: der Gewindestab verbindet das Metallbassin mit dem Sockel.
D) Lampe aus mehreren Teilen: der Gewindestab verbindet den Zusatzbehälter mit dem Sockel.
E) Lampe aus mehreren Teilen: der Gewindestab verbindet die Vase mit dem Sockel.

 

Gewindestab, Zusatzbehälter, Vasenring, Metallzapfen
Obere Reihe: Gewindestab gelötet an Bassin aus Eisenblech – Gewindestab gelötet an Zusatzbehälter unterhalb des Messingbassins
Untere Reihe: Üblicher Vasenring mit Gewinde – Vasenring für Duplex-Brenner mit Bajonett-Anschluss – Metallzapfen zum Einschrauben in Vasenringe – Metallzapfen zum Einstecken in Kerzenträger

 

Auf jedem Petroleumtank ohne Ausnahme sitzt der Vasenring, ein innen mit Gewinde versehener Ring aus Messingblech oder Zinkguss zum Einschrauben des Petroleumbrenners. Bei der Mehrheit der britischen Lampen weist der Vasenring kein Gewinde auf, sondern zwei kurze, außen an der Wand angebrachte Bajonett-Stege, die zur Befestigung der britischen Duplex-Brenner mit Bajonett-Anschluss dienen (siehe Kapitel Petroleumbrenner). In allen Fällen ist der Vasenring mit dem Petroleumtank fest verbunden und kann nicht ohne weiteres davon getrennt werden.

Ein weiterer, fest angebrachter Metallteil eines außerhalb einer Vase sichtbar angebrachten Petroleumtanks ist der Metallzapfen unten, mit dem der Tank auf dem Mittelteil solcher Lampen, z.B. auf einer Säule oder Skulptur, fest montiert werden kann. Insbesondere Glasbassins brauchen diesen Metallzapfen (fast immer ein kleiner, nach unten konisch verjüngender Messingring; mit einem Gewinde versehen im unteren Teil), um mit dem Lampenkörper verbunden zu werden. Die Metallzapfen kleinerer Glasbassins, die dafür vorgesehen sind, in einen Kerzenständer eingesteckt zu werden, haben spezielle federnde Stahlbleche, die eine sichere Fixierung des Bassins im Kerzenhalter ermöglichen. Eine Ausnahme bilden Petroleumtanks aus Glas oder Metall, die in einem Metallring eingehängt werden. Diese Bassins brauchen selbstverständlich keinen Zapfen.

Bei den Petroleumlampen mit sichtbar angebrachtem Bassin zum Einschrauben auf einem Mittelteil gab es gewisse Standardisierungen, die einen nachträglichen Austausch des Petroleumtanks erlaubten. Insbesondere britische Lampenhersteller hatten die Säulenoberteile der Lampen und die Metallzapfen der Petroleumtanks mit Gewinden in 2-3 Standardgrößen versehen. Dadurch konnte man einen zerbrochenen oder sonst wie beschädigten Petroleumtank durch einen anderen austauschen, sofern die Gewindegrößen übereinstimmend waren. Diese Möglichkeit bestand auch bei manchen kontinental-europäischen Lampen. Da aber ihre Gewindegrößen häufig variierten, war es (und ist es heute noch) jedoch schwierig, einen passenden Ersatz-Petroleumtank zu finden.

Die Kombination dieser drei Bestandteile (Fuß/Sockel, Mittelteil und Petroleumtank/Bassin) ergibt den eigentlichen Lampenkörper einer Lampe. In allermeisten Fällen ist diese Kombination unverwechselbar und bildet eine spezifische Einheit. Höchstens kann man den Petroleumtank gegebenenfalls ersetzen, falls die Möglichkeit dazu besteht, wie oben beschrieben. Alle anderen Bestandteile einer Lampe (Brenner, Zylinder und Schirme) sind austauschbar. Daher wird die Höhe einer Lampe in manchen Publikationen nur bis zur Oberkante des Vasenrings des Petroleumtanks angegeben, da die Gesamthöhe durch die austauschbaren Teile variabel ist. Ich gebe bei meinen Lampen immer beide Höhen (bis zum Vasenring sowie Gesamthöhe inkl. des Brenners und Zylinders) an.