© Tsekyi Thür

Der Duplex-Brenner

Da die Flamme eines Flachbrenners noch nicht sehr viel Licht ausbreitete, hat eine englische Firma, Hinks & Son in Birmingham, um 1865 die Idee verwirklicht, in einem Brenner zwei flache Dochte von jeweils 1 Zoll Breite (ca. 26 mm) parallel zueinander brennen zu lassen. Diese speziellen Flachbrenner mit zwei parallelen Dochten heißen Duplex-Brenner. Diese Parallel-Anordnung von zwei Dochten in ein und demselben Brenner hatte drei schwerwiegende Vorteile gegenüber einem einfachen Flachbrenner: a) man konnte zwei Dochte anstatt eines Dochtes brennen lassen, wodurch man die Gesamt-Dochtbreite quasi verdoppelt hatte, ohne den Brenner dafür doppelt so groß konstruieren zu müssen; b) zwei parallel angebrachte Dochte gaben auch an ihrer Schmalseite jetzt mehr Licht ab; c) man konnte auch nur einen Docht brennen lassen, falls man wollte, wenn nicht viel Licht nötig war. Da beide Dochte mit zwei separaten Dochträdern verstellt werden, ist die Höhe der Flamme bei beiden Dochten unabhängig voneinander regulierbar. Die Kappe des Duplex-Brenners weist oben zwei flache, voneinander getrennte Schlitze auf, aus denen die zwei flachen Flammen emporragen. Der Kappenmittelteil zwischen diesen beiden Schlitzen nenne ich einfachheitshalber „Brücke“.

 

Englischer Duplex-Brenner (hier Duplex No.2 von Hinks & Son mit Heber und Löscher)
Links: Der Brenner komplett mit seiner Kappe
Rechts: Der Brenner ohne Galerie und Kappe

 

Erklärung zum Foto:

1 = Einsteck-Ring (anstatt Gewinde)
1a = Bajonett-Krallen (es gibt immer zwei Stück an gegenüber liegenden Seiten)
2 = Dochtrad-Ring
3 = Dochträder
5 = Brenner-Korb
6 = Brenner-Galerie
7 = Zwei parallele, flache Brandrohre (jeweils ca. 27 mm breit)
9 = Kappe mit zwei Schlitzen (dazwischen die Brücke; hier wenig sichtbar)
13 = Kugelring (hier ein fester Bestandteil des Brenners)
14 = Drehschlüssel der Hebebühne
15 = Arme zum Heben der Galerie (jeweils zwei Stück)
16 = Stifte zum Festhalten der Galerie (jeweils zwei Stück)
17 = Löscher-Hebel
18 = Zwei Löscher (mit dem Hebel 17 gemeinsam zu bedienen)

 

Diese Erfindung war so erfolgreich, dass beinahe alle Lampen in Großbritannien seitdem und bis in die 1930-40’er Jahre mit solchen Brennern ausgestattet wurden. Den Duplex-Brenner gibt es von unterschiedlichen britischen (oder gar von deutschen, belgischen und österreichischen) Herstellern immer nur in der gängigsten Größe von 39,5 mm Gewinde- bzw. Einsteck-Maß. Von zwei britischen Herstellern (Hinks & Son und R. Evered & Son) wurde auch eine wesentlich kleinere Abart für kleine Lampen auf den Markt gebracht und aufgrund ihrer kleinen Größe Bijou-Duplex genannt. Bijou-Duplex-Brenner benutzen zwei Dochte von jeweils Halbzoll-Breite (ca. 13 mm).

 

Beispiele für Duplex-Brenner und ihre Dochträder
Von links: Hinks Patent Duplex von Hinks & Son, Birmingham (ein sehr früher Duplex-Brenner noch vor 1873, ohne Bajonett-System bzw. Gewinde)    
Hinks Lever No.2 (versilbert) von Hinks & Son, Birmingham
Messenger No.2 (vernickelt) von Messenger & Co., Birmingham
Bijou-Duplex (versilbert) von R. Evered & Son, Birmingham
#3 Duplex-Brenner von Plume & Atwood, USA

 

Eine Eigenart der britischen Duplex-Brenner ist die Art und Weise, wie sie am Vasenring befestigt werden. Anstatt eines Vasenrings mit innerem Gewinde benutzt man sehr oft Vasenringe ohne Gewinde, jedoch mit zwei seitlich angebrachten Bajonett-Stegen. Der Brenner besitzt dann am unteren Ende zwei seitliche Krallen, die in diese Stege eingreifen und dadurch den Brenner am Vasenring fixieren. Auch diese besondere Befestigungsart ist eine Erfindung von Hinks & Son. Diese innovative englische Firma war ihrer Bedeutung für die britische Lampenindustrie sehr wohl bewusst. Die Brenner wurden dementsprechend sowohl an ihren Dochträdern als auch an der Brücke ihrer Kappen mit dem Firmennamen markiert. Auch die Bajonett-Vasenringe sind entsprechend gemarkt.

Die Duplex-Brenner von Hinks & Son sind aus hochwertigem, dickem Messingblech gefertigt und waren zu ihrer Zeit, entsprechend ihrer hohen Qualität, vermutlich recht teuer. Um mehr Marktanteile zu erobern, haben Hinks & Son eine etwas preisgünstigere Version entwickelt, die sie ganz am Anfang „Duplex 2nd Quality“ genannt haben. Die Vermarktung ließ aber mit dieser etwas abfälligen Bezeichnung zu wünschen übrig, so dass man daraus kurzerhand „Duplex No. 2“ gemacht hat, was eher wie eine Weiterentwicklung klang und damit etwas Positives suggerierte. Jetzt war diese Version der am meisten verkaufte Duplex-Brenner! Dieser Markterfolg ist heute noch gut nachvollziehbar: Die Mehrzahl der  Duplex-Brenner, die in eBay-Portalen zum Verkauf angeboten werden, sind die No. 2 von Hinks & Son! Trotz ihrer Häufigkeit erzielen diese Brenner immer noch erstaunlich hohe Preise. Hier ein kurzer Abriss der Innovationskraft dieser Firma:

1861: Erster Glaszylinder mit ovalem Bauch (noch für den normalen Flachbrenner)
1865: Duplex-Brenner
1873: Bajonett-Anschluss
1878: Zwei konzentrische Dochtrad-Achsen ineinander
noch vor 1880: Löscher
1880: Seitliche Öffnung am Korb zum Einschieben eines Zündholzes
1882: Galerie-Heber, frühere Version

Hinks & Son haben mit ihrer stetigen Entwicklung des Duplex-Brenners nicht nur den britischen Markt dominiert, sondern mit der Einführung von Flammenlöscher- und Galerie-Heber-Systemen auch weltweit den Weg zu sicheren Handhabung der Petroleumlampen eingeebnet.

Die Idee des Duplex-Brenners mit zwei parallelen Dochten wurde auch in anderen Ländern aufgegriffen. Deutsche, österreichische und belgische Hersteller haben solche Brenner konstruiert, allerdings nur mit Gewinde-Anschluss und nur mit den üblichen Ein-Zoll-Dochten. Sie waren damit mit den britischen Duplex-Brennern mit Gewinde-Anschluss sehr gut vergleichbar.
 
Die amerikanischen Brenner-Hersteller haben auch Duplex-Brenner auf den Markt gebracht. Diese unterschieden sich aber von den europäischen Duplex-Brennern in ihrer Größe. Sowohl ihre Gewinde-Größe (46 mm) als auch ihre Dochtbreiten (29-33 mm) sind größer angelegt; wohl entsprechend der auch größeren Lampen nach amerikanischem Geschmack, in denen sie eingesetzt wurden.

Irgendwann gab es auch Brenner mit 3 Flachdochten, die aus drei Schlitzen herauskamen, die wie die Seiten eines Dreiecks angeordnet waren und mit drei getrennten Dochträdern reguliert wurden („Triplex-Brenner“). Diese Brenner waren groß und konnten nicht in beliebigen Petroleumtanks eingesetzt werden; sie waren mit den üblichen Brennern nicht austauschbar; außerdem brauchten sie auch entsprechend große, fast überdimensionierte Glaszylinder und vermutlich waren sie auch recht teuer. Aus diesen Gründen konnten sie sich im Markt nicht durchsetzen; sie sind heute entsprechend selten und sehr teuer.