© Tsekyi Thür

Andere Lampen

Es gibt noch eine ganze Liste von anderen Brennflüssigkeiten und –gasen, die neben der tausende Jahre alten Öllampe und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Siegeszug startender Petroleumlampe andere Sorten von Lampen ermöglicht haben. Eine erschöpfende Auflistung und Beschreibung dieser Lampen würde aber den Rahmen und den Zweck dieser Website sprengen, also fasse ich mich nur ganz kurz, nicht enzyklopädisch genau, sondern nur um den Unterschied zu Petroleumlampe für den Laien besser und verständlicher zu untermauern.

Die wichtigste Gruppe besteht aus Lampen, die irgendwie ähnlich zu einer Petroleumlampe aussehen, aber eine andere Flüssigkeit als Petroleum verbrennen: Das sind z.B. Spiritus-, Ligroin-, Benzin- und „burning fluid“-Lampen, die wie ihre Bezeichnung offen darlegt, Spiritus, Ligroin, Benzin und eine Brennflüssigkeit als Gemisch aus Terpentinöl und Alkohol, genannt „burning fluid“ (übersetzt heißt das „Brennflüssigkeit“), verbrennen. Diese Lampen haben jedoch nie die große Verbreitung der Petroleumlampen erreichen können, weil die zu brennende Flüssigkeit sehr leicht brennbar, somit explosiv und gefährlich für Menschen war und äußerste Vorsicht vom Betreiber dieser Lampen verlangte. Spiritus-Lampen haben allerdings später eine Renaissance erlebt, als man ihre Brenner mit einem „Glühstrumpf“ kombinierte (siehe unten).

Vorsicht! Niemals Benzin, Spiritus (das ist Ethanol bzw. Ethylalkohol, der mit irgendwelchen Zusatzstoffen „vergällt“ wurde) oder andere, leicht brennbare Flüssigkeiten (z.B. Terpentinersatz, Aceton, Nitroverdünnung, um einige, in den heutigen Baumärkten leicht zu erstehende Flüssigkeiten zu benennen) in einer Petroleumlampe verbrennen wollen!! Die Explosionsgefahr ist viel zu groß!! Es gab bisher durch solchen unsachgemäßen Umgang mit Petroleumlampen Todesfälle!  Die Lampen, die solche Flüssigkeiten brennen können, haben ganz anders konstruierte Brenner, um die Explosionsgefahr zu vermeiden bzw. zu minimieren. Petroleumlampen-Brenner sind für solche Flüssigkeiten gänzlich ungeeignet.


Die zweite wichtige Gruppe sind die Gaslampen. Wie der Name nahelegt, verbrennen diese Lampen keine Flüssigkeit, sondern ein brennbares Gas, das durch irgendwelche Rohre von außen in die Lampe und zum Brenner geleitet wird. Da Gase ohne jedwede Hilfe von sich aus brennen können, brauchen sie auch keine Brenner mit Dochten. Das Gas strömt aus einer Düse oder Schlitz des Brenners in die Luft, und brennt sofort, sobald man es angezündet hat. Die Höhe der Flamme und somit die Helligkeit wurde eingestellt, indem man die herausströmende Gasmenge mit dem Hahn am Gasrohr regulierte. Damit ist auch klar: Gaslampen sind von Petroleumlampen sehr leicht zu unterscheiden, da sie notwendigerweise einen Hahn aufweisen. Gasbeleuchtung ist fast so alt wie die Erfindung des Leuchtgases bzw. Stadtgases, das man früher aus Steinkohle oder anderen Kohlearten durch starkes Erhitzen ohne Luftzufuhr erzeugt und in riesigen Behältern („Gasometern“) gelagert hat. Die Gaslampen haben aber wiederum nur die größeren, städtischen Gebäude wie Fabrikhallen, Bahnhöfe, Krankenhäuser, etc., erobern können, da ihre Infrastruktur für private Haushalte  teuer und ihre Explosionsgefahr recht hoch war. Nur wenige, reiche Haushalte in großen Städten (insbesondere in den USA und in Großbritannien) konnten sich die separate Zulegung der Gasleitung erlauben. Die Gaslampen haben ihre größte Verbreitung in der Straßenbeleuchtung gefunden. Heute noch gibt es nennenswerte Mengen „altmodischer“ Straßenlaternen, die freilich mit Erdgas anstelle von Stadtgas gespeist werden und deren Zündung durch elektrische Impulse von der Ferne geschieht.

Eine dritte Gruppe, die Glühstrumpf-Lampen, benutzt zwar u.a. richtiges Petroleum, das Prinzip der  Lichterzeugung ist dagegen ein anderes. Ein mit speziellen Metalloxyden (insbesondere Oxyde der seltenen Metalle Cer und Thorium) behandeltes Baumwollgewebe, das Glühstrumpf genannt wird, ist oberhalb des Brenners eingehängt. Der Brenner ist jetzt zum Gegensatz des konventionellen Petroleumbrenners so konzipiert, das möglichst viel Luft hindurch strömt und das Petroleum fast vollständig mit einer blauen Flamme und hoher Hitze brennt, die lediglich dazu genutzt wird, die Metalloxyde des Glühstrumpfs richtig zu erhitzen. Sobald eine gewisse Temperatur erreicht wird, fangen diese Oxyde an, mit sehr hellem Licht zu glühen, ja, zu strahlen. Dieses Licht ist sehr viel heller als von der herkömmlichen Petroleumlampe, mit dem Nachteil, dass die Hitzezufuhr zum Glühstrumpf in einem recht engen Rahmen geschehen muss; erreicht man die notwendige Temperatur nicht, kommt kein „Glühen“ zustande, ist die Hitze dagegen höher als erlaubt, brennen die im Glühstrumpf eingearbeiteten Metalloxyde. Es gibt auch Glühstrumpf-Lampen, die Spiritus anstelle von Petroleum verwenden.

Eine Kategorie der Glühstrumpf-Lampen sind die sogenannten Hochdruck-Lampen, deren Brennflüssigkeit Petroleum, Benzin oder Spiritus sein kann. Bei diesen Lampen lässt man die Brennflüssigkeit durch Vorwärmen in gasförmigen Zustand  überführen und dieses Gas unter Druck durch feine Düsen verströmen, um eine nochmals verbesserte Helligkeit beim Brennen zu erreichen. Kombiniert mit einem Glühstrumpf, erzeugen diese Lampen die allerhöchste Helligkeit, die von einer nicht elektrischen Lampe erwartet werden kann. Die heutigen Petromax®-Lampen (um nur eine Lampe zu benennen; es gibt auch andere Lampen, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten) gehören zu dieser Kategorie. Ein besonderes Merkmal dieser Lampen ist, dass sie beim Brennen ein leichtes, zischendes Geräusch von sich geben, das vom Vergasen und Verströmen der unter Druck gehaltenen Brennflüssigkeit herrührt.

Heute kann man neu hergestellte Petroleumlampen sowohl herkömmlicher Art, als auch mit Glühstrumpf und mit Hochdruck-Vergaser-Prinzip kaufen, da man entweder ihre nostalgische Ausstrahlung schätzt, oder eine leicht zu transportierende Lampe für draußen, wo man keinen elektrischen Strom hat, zur Verfügung haben möchte.