© Tsekyi Thür

Japanisches Imari-Porzellan

Die japanische Porzellan-Manufaktur begann im 17. Jahrhundert  in der Stadt Arita auf der Kyushu-Insel (die südlichste Insel Japans), als dort 1616 Kaolin entdeckt wurde. Das hochwertige Porzellan war auf den europäischen Höfen sehr begehrt und wurde zwischen der zweiten Hälfte vom 17. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in großen Mengen nach Europa exportiert. Der Hafen, aus dem die Schiffe das Porzellan nach Europa brachten, hieß Imari, was diesem Porzellan schließlich den europäisch-westlichen Namen gab.

Der Export nach Europa begann, als das chinesische Porzellan-Zentrum in Jingdezhen gezwungen war die Porzellan-Herstellung aufzugeben aufgrund politischer Unruhen Mitte des 17. Jahrhunderts. In dieser frühen Export-Periode wurde neben schlicht blau-weißem Porzellan auch farbig bemaltes Porzellan produziert, dessen hochwertigsten Exemplare Kakiemon-Porzellane waren. In dieser Zeit hat man eine Maltechnik mit der Bezeichnung „kinrande“ entwickelt (kobalt-blaue Farbe in Unterglasur, Rot und Gold in Überglasur), die das typische farbliche Aussehen der Imari-Porzellane in Europa bestimmt hat. Die farblich reicheren Kakiemon-Porzellane waren so beliebt, dass die ersten europäischen Porzellan-Manufakturen wie Meißen diese Porzellan-Dekore kopiert haben.

Die Hauptmotive der Imari-Porzellane waren Naturszenen wie Landschaften, Pflanzen, Blumen, Vögel, zum Teil stark stilisiert und künstlerisch erhöht.

 

Vasen aus Imari-Porzellan (Detail-Aufnahmen)
Von links: Vasen von drei Petroleumlampen L.055 – L.283 – L.354 – Eine Imari-Vase

 

Nachdem die chinesische Porzellan-Herstellung ab Mitte 18. Jahrhundert wieder in Gang kam und zu exportieren begann, verlor man in Arita das Export-Geschäft nach Europa, da die japanischen Herstellungskosten höher waren als die chinesischen. Das Imari-Porzellan hatte aber mittlerweile eine so hohe Reputation in Europa, dass die chinesischen Produzenten gezwungen waren, Imari-Porzellan zu imitieren.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Japonismus in Europa Furore machte, hat man wieder japanisches Imari-Porzellan nach Europa exportiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat man in Frankreich Petroleumlampen aus Imari-Porzellanvasen hergestellt, deren Dekore vorwiegend drei oben genannten Farben (Kobaltblau, Ockerrot und Gold in kinrande-Technik) aufweisen. In Großbritannien hat man sehr luxuriöse Lampen aus Porzellan hergestellt, die Imari-Farben und die Malweise imitiert haben.

 

Japanische Satsuma-Keramik

Satsuma-Keramik ist ein Oberbegriff für eine Art der japanischen Keramikware, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein regelrechter Export-Schlager an den europäischen (vornehmlich französischen) Märkten war.

Diese Keramik verdankt ihren Namen zum alten japanischen Provinz Satsuma auf der Insel Kyushu (die südlichste Insel Japans), wo einige Keramik-Werkstätten von koreanischen Keramik-Handwerkern begründet wurden, die ab ca. 1600 Waren aus glasiertem Steingut herstellten. Aus der anfangs sehr einfachen Gebrauchskeramik hat sich allmählich eine qualitativ hochrangige, mit unterschiedlichen Motiven bemalte und golddekorierte Kunstware entwickelt.

Als die hochwertigen Erzeugnisse von Satsuma auf der Pariser Weltausstellung in 1867 sehr gut aufgenommen und hochgeschätzt wurden, begann die Erfolgsgeschichte der Satsuma-Keramik. Mit dem steigenden europäischen Bedarf hat man in Japan angefangen, auch an anderen Orten außerhalb Satsuma Exportware im gleichen Stil herzustellen. In den 1890’er Jahren wurden an mehr als 20 unterschiedlichen Orten in Japan „Satsuma-Ware“ hergestellt. Damit hat die Bezeichnung „Satsuma“ aufgehört eine Herkunftsbezeichnung regionaler Art zu sein. „Satsuma“ wurde zu einem Stilmerkmal völlig unabhängig davon, wo die Ware hergestellt wurde. Damit einher ging auch eine fast vollständige Anpassung des Dekors auf den europäischen/westlichen Geschmack, so dass diese Erzeugnisse auf dem heimatlichen japanischen Markt überhaupt keine Abnehmer hatten. Die völlige Export-Orientierung und massenweise Herstellung bewirkten schließlich ein ziemliches Absinken der Qualität, so dass ab ca. 1930’er Jahre das Interesse der Kunstliebhaber und -Sammler an Satsuma-Ware weitgehend erlosch.

Auf dem Höhepunkt der Exportwelle war der typische Satsuma-Stil eine dichte Aneinanderreihung von Genreszenen und brokatartig aufgefüllten Zwischenräumen mit millefiori-ähnlichen Blumen- und anderen Dekormustern. Die Hauptmotive waren religiöse, mythologische, kriegerische (Samurai-Krieger), aber auch höfische Genreszenen neben Naturdarstellungen mit Blumen und Vögeln, alles reichlich golddekoriert.

 

Vasen aus Satsuma-Keramik in Brokatstil (Detail-Aufnahmen)
Von links: Vasen von zwei Petroleumlampen L.298 – L.328
Eine Satsuma-Vase mit Frauenfiguren
Eine Satsuma-Vase mit Männerfiguren

 

Neben diesen typischen, leicht als „Satsuma-Ware“ identifizierbaren Dekorationen ist die fein bis grob krakelierte Glasur ein weiteres, wichtiges Erkennungsmerkmal dieser Keramik. Es gibt allerdings auch andere Bemalungen mit anderen Sujets unabhängig vom Brokat-Stil, deren Zuordnung zu Satsuma-Keramik für den Laien nicht sehr leicht fällt.

 

Vasen aus Satsuma-Keramik mit anderen Darstellungen (Detail-Aufnahmen)
Von links: Vase mit pastoser Blumendekoration (L.090)
Vase mit großformatigen Blumen auf dunkelblauem Hintergrund (L.284)
Vase mit pastos bemalten Kranichen und Pflanzen
Vase mit stilisierter Bemalung mit Cloisonné-ähnlichen, pastosen Trennlinien

 

Das Haupt-Exportland für Satsuma-Ware in Europa war Frankreich. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatte Japonismus die französische Kunstwelt ziemlich erobert. Schöne Dekorations- und Gebrauchsartikel wie Vasen, Teeservicen, Jardinieren, Kleinmöbeln aus Japan waren sehr in Mode. So ist es gar nicht überraschend, dass die japanischen Vasen auch zunehmend für Petroleumlampen verwendet wurden. Anfänglich hat man reguläre Blumenvasen zu Petroleumlampen umgearbeitet, indem man ein Loch im Vasenboden bohrte, um die notwendigen Metallmonturen wie Sockel und Petroleumtank mit einem Gewindestab miteinander zu verbinden. Später hat man gezielt Lampenvasen mit schon vorbereitetem Bodenloch bezogen.

 

Chinesisches Porzellan

China ist das eigentliche Mutterland der Porzellanherstellung. Gegenstände mit porzellanähnlicher Masse (Vasen und Gefäße aus Proto-Porzellan, dessen Zusammensetzung bereits Kaolin enthielt) sind schon aus der Han-Dynastie um die Zeitenwende bekannt. Nach langer Zeit des Experimentierens und Verbesserns ist es den Chinesen am Anfang des 9. Jahrhunderts gelungen, durch wesentliche Optimierungen der Brennöfen Brenntemperaturen bei ca. 1350°C zu erreichen. Durch diese hohen Temperaturen konnte man harte, dichte, wasserundurchlässige und leicht durchscheinbare Porzellane herzustellen, die zwar noch nicht farbig bemalt aber immerhin glasiert waren.

Vom Anfang des 14. Jahrhunderts an waren die chinesischen Porzellane schon mit dunkelblauer Kobaltfarbe verziert, die unter der Glasur direkt auf der Porzellanoberfläche angebracht war. Diese Porzellane wurden seit Beginn des 16. Jahrhunderts nach Europa exportiert, wo sie großes Ansehen genossen. Die mit dunkelblauer Farbe auf weißem Untergrund bemalten Hartporzellane mit ihrer hochglänzenden, unempfindlichen Glasur haben die Liebe und Begeisterung der europäischen Höfe für die chinesische Ware geweckt. Chinesische Vasen, Schalen, Teller, Kannen, figürliche Skulpturen und andere Gegenstände aus Porzellan mit ihren für den europäischen Geschmack recht ungewöhnlichen Formen und der völlig unbekannten Exotik ihrer Dekore waren dermaßen beliebt, dass sie sehr schnell zu reinen Sammelobjekten hochstilisiert wurden. Die europäischen Fürstenhäuser wetteiferten miteinander mit ihren Sammlungen. In den Palästen wurden luxuriöse Räume eingerichtet, nur um die gesammelten Porzellane zur Schau zu stellen.

Die chinesischen Porzellandekore können sehr variationsreich sein und sind fast immer mit einer Symbolik verbunden, sind also keine bloßen Zierdekorationen, sondern symbolisieren Wünsche, Hoffnungen, Gefühle, jahreszeitliche Begebenheiten, mystische, mythologische und religiöse Inhalte und vieles mehr.

Die anfänglich nur blau-weiß bemalten Porzellane bekamen nach und nach immer mehr Farben, als mit der Zeit farbgebende Pigmente gefunden wurden, die den hohen Brenntemperaturen standhalten konnten. Im 17.Jahrhundert entstanden die sogenannten „Farbenfamilien“, bei denen eine spezifische Farbe das Gesamtaussehen des Dekors entschieden dominerte. Diese Farbenfamilien werden in der westlichen Welt mit ihren französischen Bezeichnungen definiert. Am Anfang gab es drei hauptsächliche Farbenfamilien: „Famille verte“ (grün), „Famille jaune“ (gelb) und „Famille noire“ (schwarz). Etwas später, ab ca. 1720 kam dazu eine vierte Farbe, „Famille rose“ (rosa), deren Entstehung mit der Entdeckung des Goldpurpurs als verwendbare Farbe in den Niederlanden verknüpft ist.

Das wichtigste Zentrum der chinesischen Porzellanherstellung ist die Stadt Jingdezhen (Ching-tê Chên) im Südosten von China, da in ihrer nahen Umgebung große Kaolin-Vorkommen existieren. Die Zusammensetzung und die Herstellungstechnik des Porzellans konnten die Chinesen sehr lange geheim halten, um ihre Monopolstellung für diese begehrte Exportware zu schützen, bis es Johann Böttger 1708 in Sachsen die Herstellung des europäischen Hartporzellans gelang.

Chinesische Porzellanvasen wurden im 19. Jahrhundert zur Herstellung von französischen Modérateur-Öllampen verwendet, indem man ihnen den Boden absägte, um die Modérateur-Technik in die Vase einschieben zu können. Später, als sich die Petroleumlampen längst etabliert hatten, hat man aus China speziell für Lampen produzierte Porzellanstücke importiert, deren Bemalung allerdings die hohe Qualität der frühen Stücke vermissen lassen. Diese chinesischen Porzellanvasen zusammen mit Imari- und Satsuma-Waren aus Japan und Cloisonné-Vasen aus China spiegeln die große Begeisterung der Franzosen für die fernöstlichen Waren im ausgehenden 19. Jahrhundert.

 

Chinesisches Porzellan (Detail-Aufnahmen)
Von links: Lampenvase mit typisch kantonesischer Bemalung (L.078)
Lampenvase mit chinesischer Bemalung für Europa (L.292)
Lampenvase mit bemalten Blumen in Famille rose (L.161)
Detail einer Schale aus Qianlong-Zeit (ca. 1770-1780) in Famille rose für den englischen Markt