© Tsekyi Thür

Lampen von Ignác Fischer und Zsolnay

Das Königreich Ungarn mit der Hauptstadt Budapest war ein Teil der österreichischen Doppelmonarchie. Budapest war eine aufstrebende, aufblühende Metropole und konkurrierte mit Wien mit prunkvollen Palästen und Gebäuden. Der ungarische Lampenproduzent Lámpa-Gyár war in Budapest gegründet.

Ungarn sollte aber mit zwei anderen Firmen einen erstrangigen ästhetischen Beitrag zur Lampenindustrie leisten: Die Keramik- und Porzellanmanufakturen Ignác Fischer in Budapest und Zsolnay in Pécs steuerten gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert qualitativ sehr hochwertige Lampenteile aus Keramik zur Lampenherstellung bei. Möglicherweise hatten diese Firmen die Lampen sogar selbst mit den nötigen Metallmonturen und Brennern ausgestattet; das müsste man irgendwann herausfinden.

Die mit diesen Keramikteilen ausgestatteten Lampen waren ziemlich exklusiv und wurden nach Wien und anderen Ländern mit einer kaufkräftigen, anspruchsvollen Kundschaft geliefert. Lampen von beiden Manufakturen kommen gelegentlich in eBay Großbritannien vor; sie werden immer mit sehr hohen Preisen gehandelt.

In meiner Sammlung gibt es fünf größere Lampen von Ignác Fischer. Dagegen besitze ich nur eine kleine Lampe von Zsolnay. Mir ist es nicht gelungen, weitere Lampen von Zsolnay zu erwerben.

 

Meine Lampen von Ignác Fischer und Zsolnay
Von links: L.116 – L.163 – L.197 / L.275 – L.325 (alle fünf Lampen von Ignác Fischer) – L.241 (Zsolnay)

 

L.116 ist eine Ignác Fischer-Lampe, die für Großbritannien bestimmt war; sie trägt nämlich einen Bajonett-Vasenring. Ich habe sie mit einem Hinks-Duplex-Brenner und einem gut passenden Kugelschirm komplettiert.

Die große, aus mehrfach durchbrochener Keramik hergestellte Ignác Fischer-Lampe L.163 prunkt mit einem 20‘‘‘ Reform Brillant-Brenner von Gebr. Brünner. Der große, bemalte Kugelschirm kam aus den USA.

Die Ignác Fischer-Lampe L.197 habe ich in einem Antiquitätenladen in Budapest erstanden. Sie war mehrfach gebrochen und ganz dilettantisch zusammengeklebt. In den Händen von Herrn Kühnel bekam sie ihre ursprüngliche, tadellose, strahlende Gestalt. Diese Lampe bekam einen 20‘‘‘ Germania-Brenner und eine bemalte, passende Tulpe.

Die mächtige L.275 von Ignác Fischer in seltener Kalebassen-Form ist mit einem 20‘‘‘ Hugo-Brenner ausgestattet. Schon der äußert aufwändige Sockel aus Messingguss unterstreicht die Wertigkeit dieser Lampe. Ein britischer Kugelschirm ist hier platziert.

Ähnlich groß und hochwertig ist die Lampe L.325 von Ignác Fischer, die mit großformatigen Blumen sehr im späteren Stil von Zsolnay bemalt ist. Hier tut ein 15‘‘‘ Sonnenbrenner ihren Dienst. Die große Tulpe hat eine interessante, diagonal gerippte Form.

Die Zsolnay-Lampe L.241 ist im Vergleich ziemlich unscheinbar. Sie ist vermutlich aus einer normalen Vase entstanden, indem man Metallmonturen nachträglich hinzugefügt hat. Den mitgelieferten Kosmos-Brenner von SI Paris  habe ich dran gelassen. Die Tulpe ist ebenfalls französisch.

 

Weitere Lampen aus Ungarn und Böhmen

Im nächsten Foto sind 2 weitere ungarische Lampen, eine Glaslampe mit einem Ditmar-Bassin und 3 Lampen aus Böhmen abgebildet.

 

Weitere Lampen aus Ungarn und Böhmen
Von links: L.063 und L.189 (beide von Lámpa-Gyár) – L.181 / L.177 und L.178 (beide von Royal Dux Bohemia) – L.321 (Wilhelm Schiller & Sohn)

 

L.063 ist eine recht einfache Tischlampe von Lámpa-Gyár mit einem Eisenguss-Sockel, facettiert geschliffenem Glasbassin und bemaltem Jugendstil-Schirm von Schreiber & Neffen. Der 11‘‘‘ Flachbrenner ist von R. Ditmar.

Die sehr elegant geformte Lámpa-Gyár-Tischlampe L.189 besticht durch ihre schöne Jugendstil-Gestalt und ihre passend ausgewählte französische Tulpe von S.V.E. (Société des Verreries pour l’Éclairage, Paris). Die Lampe ist bestückt mit einem Kosmos-Brenner.

Die schöne Glaslampe L.181 hat ein Cranberry-farbiges Glasbassin, das sowohl in Ditmar- als auch in Lámpa-Gyár-Katalogen vorkommt. Die Lampe mit ihrem ungewöhnlichen Glasfuß ist aber nirgends abgebildet. Auch hier ist ein 11‘‘‘ Flachbrenner von Ditmar im Dienst. Die Tulpe mit der passenden Farbe kam aus Frankreich.

Die drei Lampen im rechten Foto kommen aus Böhmen. Böhmen (heute der westliche Teil der Tschechischen Republik) gehörte zum österreichischen Kaiserreich bis zum ersten Weltkrieg. Die Hauptstadt Prag war die dritte große Metropole des riesigen Kaiserreichs. Mir sind aber keine böhmischen Lampenproduzenten bekannt. Vermutlich haben die Tschechen ihren Lampenbedarf sowohl aus Berlin als auch aus Wien gedeckt.

Die beiden großen Lampen L.177 und L.178 bestehen aus sehr detailliert angefertigten Porzellankörpern von Royal Dux Bohemia, die in einem Auktionshaus als mögliche Kerzenständer angeboten wurden. Ich hatte die eine davon schon als komplette Petroleumlampe mit passendem Porzellan-Bassin früher in eBay Großbritannien gesehen (sie war allerdings auch extrem teuer und für mich unerreichbar!). Ich habe beide Lampen mit meinen eigenen Mitteln zu einem reizvollen Paar komplettiert. L.177 ist die dreidimensionale Umsetzung eines damals sehr berühmten Ölgemäldes („Kunst bringt Gunst“) des deutschen Malers Paul Thumann. L.178 dürfte wohl ein eigenständiger Entwurf von Royal Dux Bohemia gewesen sein. Beide Lampen sind extrem selten und in dieser Gestalt auch Unikate.

Die ungewöhnlich farbenfrohe Keramiklampe L.321 basiert auf dem Sockelteil einer großen Tafelvase der böhmischen Keramikmanufaktur Wilhelm Schiller & Sohn. Hier ist ein mythologischer Vogel in einem prunkvollen Rahmen eingebettet. Der 20‘‘‘ Hugo-Brenner und der neu produzierte Tulpenschirm aus einer alten Form von S. Reich sind meine Zugaben.