© Tsekyi Thür

Französische Lampen mit Vasen aus Japan und China

In den letzten 2-3 Dekaden des 19. Jahrhunderts erlebte Frankreich eine große Begeisterung für fernöstliche Waren. Insbesondere die kunsthandwerklichen Erzeugnisse aus Japan genossen eine hohe Wertschätzung. Infolgedessen wurden viele japanische Produkte importiert und erfolgreich vermarktet. Am begehrtesten waren die Gegenstände für den täglichen Gebrauch und auch für Verschönerung des häuslichen Interieurs. In diesem Zuge wurden viele Vasen, Teeservices, Wandteller, usw., aus Satsuma-Keramik und Imari-Porzellan aus Japan eingeführt. Siehe dazu Das Unterkapitel Keramik aus Japan und China bei den Infoboxen.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Bezeichnung „Satsuma“ nicht für eine bestimmte Manufaktur steht. Es gab in Japan, insbesondere als die Nachfrage nach diesen japanischen Produkten immer größer wurde, Dutzende von Keramik-Herstellern, die zum Teil auch außerhalb des Satsuma-Distrikts lokalisiert waren. Sie alle produzierten gefällige, mitunter kunterbunt bemalte Steingut-Vasen für den europäischen Markt. Alle diese Erzeugnisse wurden als „Satsuma-Ware“ gehandelt. Je nach Manufaktur waren sowohl die Motive als auch der typische Malstil unterschiedlich. Das kann man sehr gut bei den Lampen im nächsten Foto betrachten.

Eine andere, nicht weniger wichtige Quelle für kunsthandwerklich schöne und begehrte Waren war neben Japan auch China. Aus China kamen handbemalte Porzellane und auch Kunstgegenstände mit Cloisonné-Bemalung.

Die Formenvielfalt und die exotische Schönheit dieser Produkte haben dazu geführt, dass viele japanische und chinesische Blumenvasen von findigen Lampisten zu Modérateur- und Petroleumlampen umgearbeitet worden sind. Dazu brauchte man die notwendigen Metallmonturen wie Sockel, Petroleumtank, usw. in den richtigen Dimensionen anzufertigen und mit einem Gewindestab an der Vase zu montieren. Um den Gewindestab hindurch zu führen, musste man den Vasenboden nachträglich durchbohren.

Als die Nachfrage nach chinesischen und japanischen Vasen zur Lampenproduktion immer größer wurde, hat man die Vasen schon in Erzeugerländern mit einem Bodenloch hergestellt. Allerdings ließ die Qualität der Bemalung mit der Zeit ziemlich nach.

Die Herstellung von Lampen mit den chinesischen und japanischen Vasen scheint in erster Linie in Frankreich heimisch gewesen zu sein. Die anderen europäischen Länder mit großer Lampenproduktion haben dazu kaum beigetragen. Immerhin gab es in Großbritannien einige Lampen, deren Vasen in einem sehr ansprechenden Imari-Stil bemalt waren. Sie waren aber eigenständige britische Erzeugnisse.

 

Französische Lampen mit Keramikvasen aus Satsuma-Ware
Von links: L.093 – L.285 – L.298 / L.031 – L.328 – L.284

 

L.093 mit ihrer quadratischen Vase (wohl ziemlich selten) zeigt die für spätere Phasen typische, kunterbunte „Brokat-Bemalung“ mit jetzt stilistisch vereinfachten Menschenfiguren. Die Tulpe hier ist eine Besonderheit: Sie besteht aus zwei Schichten Glas mit luftgefüllten Kavernen dazwischen.

Die Lampe L.285 ist ein Beispiel für die massenhafte Herstellung von Satsuma-Vasen für Petroleumlampen, denn die Vase ist schon mit dem passenden Loch produziert. Die Bemalung ist einfacher.

L.298 ist etwas außergewöhnlich, denn hier sind die Satsuma-typischen Samurai-Krieger auf einem monotonen, gelben Hintergrund platziert. Der Satsuma-typische Brokat-Stil ist nur am Vasenhals zu erkennen. Hier ist ein schöner St. Louis-Kugelschirm am Platz.

Eine völlig andere Art von Bemalung mit Blumen und Kranichen ist auf der Lampe L.031 zu sehen. Es gab wohl eine Satsuma-Manufaktur, die mit dieser Motivwahl einen großen Erfolg verzeichnete, denn Vasen und Lampen mit dieser Art der Bemalung sehe ich häufiger in eBay. Auch die ehemalige Modérateur-Lampe L.090 (siehe voriges Unterkapitel) kommt wohl von dieser Manufaktur.

L.328 hat eine seltene, hexagonale Vase mit sehr feiner Bemalung. Diese Lampe hat die am feinsten bemalte und mit ihrer hexagonalen Form auch ziemlich aufwändig konstruierte Satsuma-Vase in meiner Sammlung. Die spätere Brokat-Bemalung hatte sich noch nicht entwickelt; die Vase ist überreich golden verziert. Ein Baccarat-Kugelschirm mit feiner Ornamentik schmückt die Lampe.

L.284 mit ihren intensiven Farben ist schon recht außergewöhnlich und kann nicht mit den anderen Satsuma-Lampen verglichen werden. Trotzdem ist sie eine Satsuma-Ware. Die bemalte Tulpe hier ist von Cristallerie de Pantin.

Weitere französische Lampen mit Keramik- oder Porzellanvasen aus Fernost sind im nächsten Foto abgebildet. Zwei chinesische Cloisonné-Lampen schließen diese Reihe.

 

Weitere französische Lampen mit Vasen aus Japan und China
Von links: L.055 – L.354 – L.283 / L.291 – L.292 – L.361 – L.180

 

Die ersten drei Lampen sind aus japanischem Imari-Porzellan angefertigt. L.055 und L.283 sind einfachere Lampen mit Imari-Vasen. Der Kugelschirm auf L.283 hat das typische Vianne-Muster, ist aber aus dickem, oben und unten plan geschliffenem Glas.

L.354 ist eine mächtige, imposante Lampe mit einer großen Imari-Vase. Allein der Sockel ist schon sehr herrschaftlich angelegt. Der Brenner und der Zylinder der Lampe sind von Stobwasser. Das Dochtrad ist mit dem seltenen Tropfenfänger von Rincklake bestückt. Ein leicht eiförmiger britischer Kugelschirm komplettiert die Lampe.

Das Zwillingspaar L.291 und L.292 hat chinesische Porzellanvasen, die in einem recht einfachen Kantonstil bemalt sind. Sie gehören auch zu der Massenproduktion aus Fernost mit schon vorbereitetem Loch für die Metallmonturen. Beide habe ich mit guten Reform-Kosmos-Brennern von Wild & Wessel und mit alten, fein handgeschnittenen Tulpen bestückt.

L.361 ist eine durch die intensive Farbigkeit bestechende Cloisonné-Lampe. Die Tulpe hat das schöne Motiv einer Jugendstilvase der Glasmanufaktur Harrachsche Glasfabrik. Höchstwahrscheinlich ist sie auch vom gleichen Hersteller.

Die letzte Lampe im Foto, L.180, ist eine kleinere, schlanke Cloisonné-Lampe, wiederum mit einer Jugendstil-Tulpe.