© Tsekyi Thür

Reparaturen an Brennern

Der Brenner ist die „Seele“ einer Lampe. Nur wenn er tadellos funktioniert, ist die Lampe letzten Endes eine Lampe. Für mich muss eine Lampe ihre Bestimmung erfüllen und gut brennen. Ist der Brenner nicht funktionsfähig oder aus irgendwelchen Gründen nicht einsatzbereit, dann ist die Lampe nur ein dekoratives „Schaustück“, jedoch keine Lampe. Vielleicht bin ich etwas zu engstirnig, zu anspruchsvoll; aber das bewahrt mich davor, meine Sammlung mit unzähligen Lampen vollzustopfen, die zwar schön aussehen, aber nicht brennen können, da der Brenner nicht funktioniert. Also investiere ich viel Sorgfalt in Reparatur und Instandhaltung eines Brenners, insbesondere dann, wenn der Brenner ein seltener und hochwertiger Brenner ist, den man nicht ohne weiteres durch einen anderen Brenner ersetzen kann bzw. will.

Es gibt Brenner, die dermaßen verunstaltet sind, dass man sie nicht mehr reparieren kann. Wenn man den Brenner unten mehrfach durchlöchert oder Messingwände zersägt und abgebogen hat, um ein Stromkabel hindurch zu führen, dann ist dieser Brenner kaum noch zu retten. Man müsste alle verlöteten Stellen ablösen, um an den inneren Teil des Brandrohres zu kommen und dort Reparaturarbeiten vorzunehmen. Die Mühe lohnt sich nicht. Ebenso ein hoffnungsloser Fall liegt vor, wenn die Zahnräder zur Dochtführung gebrochen oder von ihrer Verankerung herausgekommen sind. In solchen Fällen ist das Ersetzen des Brenners durch einen anderen, intakten Brenner der viel leichtere Weg.

Reparierbare Schäden sind zum Beispiel Löcher und Risse am Brandrohr bzw. am Deflektor des Brenners, falls sich diese Stellen eher im unteren Bereich befinden. Die Hitze der Flamme geht zum größten Teil nach oben und die unteren Teile des Brenners werden durch hineinströmende Frischluft leicht gekühlt, so dass Lötarbeiten an solchen Stellen dauerhaft durchführbar sind, ohne dass man Angst haben muss, dass sich Lötzinn durch die Hitzeeinwirkung des Brenners wieder löst. Löcher und Risse an den Wänden kann man mit kleineren Messingplättchen, die man entsprechend der Wölbung der Wand vorgewölbt hat, auf diese schadhaften Stellen anlöten (mit der Methode, die ich bei „gerissenem Messingblech“ oben erklärt habe). Das ist immer angebracht, falls der schadhafte Brenner ein seltenes und wertvolles Exemplar ist. Sind Beschädigungen allerdings sehr weit oben, quasi am Rand des Brandrohrs, dann sollte man hier nichts mit Lötzinn anlöten. Hier wäre das Hartlöten mit Silberlot angesagt, das ich aber selber noch nicht ausgeführt habe.

Manchmal kommen Brenner zu mir, die oben, am oberen Rand des Brandrohrs mehrfach verbogen sind (mir ist ein Rätsel, wie man Brenner dermaßen malträtieren kann; denn ein offensichtlicher Gewinn ist dabei nicht zu erzielen). Diese Verbiegungen lassen den Docht an diesen Stellen kaum durch. Es ist allerdings ein ziemlich leichtes Unterfangen, diese verbogenen Ränder mit einer Spitzzange wieder in Form zu bringen.

Es kommt ab und zu mal vor, dass bei einem Brenner sich Lötstellen gelöst haben, so dass beispielsweise die Hebemechanik nicht mehr gescheit funktioniert. Es ist eine leichte Übung, diese Lötstellen zu erneuern, nachdem man die Funktionsweise der Mechanik gut studiert hat. Sie soll ja später ihren Dienst wie erwartet gut ausführen. Wie schon mehrfach erwähnt, müssen die zu lötenden Stellen bis auf das Metall ganz blank gereinigt werden, damit das Lot überhaupt haftet.

Die eingedrückten Körbe kann man von innen wieder zurück drücken. Es hängt allerdings von der Wandstärke ab, ob der bloße Fingerdruck ausreicht, um ein erfolgreiches Zurechtdrücken zu bewerkstelligen. In Fällen, wo das Zurückbiegen nicht ohne weiteres möglich war, habe ich mir geholfen, indem ich irgendeine sehr große Schraube mit einem scheibenförmig-runden Kopf von ca. 2-3 cm Durchmesser von innen an der zu verbessernden Stelle mit gehörigem Druck hin und her rieb. Bei sehr hartnäckigen Fällen kann man die Schraube sogar an einem Schraubstock befestigen und nun den Korb mit kräftigem Druck gegen den Schraubenkopf hin und her bewegen, bis der schadhafte Teil des Korbs wieder seine ursprüngliche, konvexe Form bekommt. Hat man eine solche große Schraube mit geeignetem Kopf nicht zur Hand, kann man ein ähnliches Hilfsmittel selber bauen, indem man z.B. eine große, dicke Unterlegscheibe von beispielweise 2-3 cm Durchmesser an einer dicken Metallstange anlötet. Ich gebe zu, hier braucht man Fingerspitzengefühl und Geschick, aber die Mühe lohnt sich, wenn der Brenner nachher wieder gut aussieht.

 

Zurückformen eines eingedrückten Korbs

 

Es kommt öfter vor, dass einige Zacken der Galerie entweder angebrochen sind oder völlig fehlen. Die angebrochenen Zacken haben oft nur einen Riss an einer ihrer Brücken (das sind in meinem Jargon die schmalen Stege, die den oberen Teil des Zackens mit dem unteren Teil der Galerie verbinden). Diese Risse kann man mit einem kleinen Lötkolben von außen zulöten. Wichtig dabei ist, dass man die Lötstelle nachher etwas flach schleift, da der Kragen des Glasschirms hier ungehindert vorbei gehen muss, aber wiederum doch nicht so flach, dass die Lötstelle unter der leichten Spannung wieder auseinander geht. Die fehlenden Zacken kann man eventuell ergänzen, wenn man von einem kaputten, nicht mehr verwendbaren Brenner, dessen Galeriezacken eine identische oder sehr ähnliche Stanzform aufweisen, die Zacken absägt und an die Stellen der fehlenden Zacken wieder anlötet. Man muss hier selbst abwägen, ob sich diese Sisyphus-Arbeit lohnt. Fehlen nur eine oder zwei Zacken, würde ich keine Mühe aufwenden, denn die übrigen Zacken entfalten genug Spannkraft, um den Glaszylinder fest und sicher zu halten. Fehlen viele Zacken, dass der Glaszylinder nicht mehr festgehalten werden kann, muss man halt überlegen, wie man das Problem am besten lösen kann. In einem Fall bekam ich einen Brenner, dessen gesamte Galerie wohl ausgetauscht war, weil die Galerie rundum sichtbar an den Korb angelötet war. Das wäre auch eine Alternative, mit dem Preis, dass man die Originalität des Brenners aufgibt.

Es gibt natürlich auch andere Arbeiten an Brennern, wenn wesentliche Teile, wie Flammscheibe, Löscher, etc., fehlen. Bei einem seltenen, wertvollen Brenner würde ich immer versuchen, die fehlende Flammscheibe zu ergänzen. Da einzelne Flammscheiben so gut wie nie angeboten werden, ist man hier auf die eigene Geschicklichkeit angewiesen, denn man muss die Flammscheibe selbst konstruieren. Voraussetzung ist allerdings, dass man von den langjährigen Sammlerfreunden, die das gute Stück schon besitzen, sie ausleihen kann, um Form und Größe exakt kopieren zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist der längliche, kaminähnliche Aufsatz des Elektra-Brenners (siehe L.119), der normalerweise nur locker aufgesetzt wird und daher leider fast immer verloren gegangen ist. Ich habe diesen Aufsatz aus Messingblech nachformen können, weil ein Sammlerfreund bereit war, sein Originalstück mir auszuleihen. Ich gebe zu, man braucht schon etwas Klempner-Geschick, um solche feinen Metallkonstruktionen erfolgreich durchzuführen. Ich weiß, dass der „Sammlerwert“ meines Brenners dadurch nicht höher geworden ist, denn der Original-Aufsatz der Flammscheibe fehlt nach wie vor, aber das originalgetreu komplettierte Aussehen des Brenners entschädigt für die mühevolle Arbeit.

 

Ergänzte Flammscheibe vom 15‘‘‘ Elektra-Brenner von Gebr. Brünner, Wien
Von links: Elektra-Brenner ohne den speziellen Aufsatz auf der Flammscheibe
Der rekonstruierte Aufsatz alleine und auf der übrigen Flammscheine
Der Brenner mit der komplettierten Flammscheibe

 

Eine ganz ähnliche Reparatur ist z.B. den fehlenden Löscher zu ersetzen, falls dies überhaupt möglich ist. Es gibt unterschiedliche Arten von Löschmechanismen, die z.T. sehr komplizierte Konstruktionen aufweisen (siehe Unterkapitel Heber und Löscher im Kapitel Petroleumbrenner). Aber auch hier gilt es, ein originales Vorbild des fehlenden Teils zu besorgen. So ist es mir geglückt, den komplett fehlenden Löschzylinder eines 20‘‘‘ Matador-Brenners mit Ersatzteilen zu rekonstruieren, nachdem ich einen komplett erhaltenen Brenner gleichen Typs erwerben konnte. Meine Rekonstruktion funktioniert auch einwandfrei.

 

Ergänzter Löschzylinder vom 20‘‘‘ Matador-Brenner von Ehrich & Graetz, Berlin
Von links: 20‘‘‘ Matador-Brenner ohne Löschzylinder
Original Matador-Löschzylinder eines anderen Brenners und meine Rekonstruktion aus einem Original-Brandrohr mit eingesetztem Zwischenstück
Der komplettierte Brenner mit meiner Rekonstruktion

 

Reparaturen an Dochten

Jetzt werden Sie ungläubig Ihren Kopf schütteln. Warum Dochte reparieren, wenn man sie doch recht einfach nachkaufen kann? Es gibt Fälle, wo es sich gut lohnt, die vorhandenen Originaldochte zu reparieren, falls sie schadhaft oder zu kurz sind. Die neu hergestellten Dochte funktionieren meines Erachtens nicht so gut wie die originalen, alten Dochte, die damals sogar oft für einen hochwertigen Brenner extra angefertigt worden sind. Die Kriechgeschwindigkeit des Petroleums vom Petroleumtank nach oben hängt stark von der Dicke und Webdichte des Dochts ab. Der Experte spricht in diesem Fall von der „Kapillarität“ des Dochts. Wenn man z.B. einen alten 15‘‘‘ Matador-Brenner mit dem Originaldocht drin erwerben kann, wird man schnell feststellen, dass sich dieser Docht erheblich von anderen Dochten für Kosmos-Brenner unterscheidet. Dieser alte Docht kann immer noch sehr viel besser funktionieren als die neu hergestellten Dochte, vorausgesetzt, dass man ihn vom Brenner abgenommen, im Aceton-Bad von verharzten und verkrusteten Petroleumresten befreit, mit einem Waschmittel ordentlich gewaschen, sorgfältig klargespült und getrocknet hat.

Das Schicksal will, dass solche Original-Dochte evtl. schon sehr kurz sind, wenn sie zusammen mit dem Brenner zu uns kommen. In solchen Fällen zögern Sie nicht, andere Dochtstücke (wenn möglich von der gleichen Breite) am Ende des kurzen Dochts anzunähen, um ihn so zu verlängern, dass ein Brennen auch beim abgesunkenen Petroleumpegel im Tank möglich ist. Am besten nähen Sie sogar zwei Dochte dran, indem sie den alten Docht in ihre Mitte nehmen, und lassen eine großzügige Kontaktfläche zu, indem Sie die neuen Dochte nicht direkt am Ende, sondern 3-4 cm darüber, jedoch mit vollflächigem Kontakt zum alten Docht annähen.

Manchmal kommen Original-Dochte mit beschädigten Stellen. Beschädigungen treten oft an den Stellen auf, wo die Zahnräder des Dochtrads in den Docht hineingreifen, um ihn nach oben oder nach unten zu bewegen. Diese Stellen kann man nicht gescheit reparieren, denn an den gleichen Stellen werden die Zahnräder wieder ihr Werk verrichten. Sind eventuelle Beschädigungen dagegen an anderen, von Zahnrädern nicht erreichbaren Stellen des Dochts, dann kann man sie flicken, indem man diese Stellen ordentlich zusammennäht, um den ungestörten Transport des Petroleums zu gewährleisten.

Wenn man eine Lampe längere Zeit (1-2 Jahre) mit Petroleum im Bassin lässt, kann es vorkommen, dass sich das Petroleum mit der Zeit regelrecht grün färbt (siehe Foto). Diese Färbung mag zwar interessant oder schön aussehen, sie beschädigt den Docht aber erheblich, denn die gebildeten grünen Kupfercarbonat-Kristalle setzen die Kapillaren des Dochts richtig zu. Der Docht kann nicht mehr genügend Petroleum zum Brenner transportieren; die Flamme wird immer schwächer bis sie irgendwann völlig verlischt. Leider ist Kupfercarbonat in Wasser unlöslich; daher hilft es nicht, den Docht mit Spülmitten und Bürste reinigen zu wollen. Man soll das grün gefärbte Petroleum entsorgen und den Docht einige Stunden in einer Säure-Lösung (z.B. 10-15%ige Salzsäure; erhältlich in Bauhäusern) zu lassen. Säure löst Kupfercarbonat allmählich ab. Danach kann man den Docht wie üblich mit Spülmittel reinigen.

 

Grün gefärbtes Petroleum

 

Selbstgebaute Schirmreife und Kugelringe

Im Unterkapitel Schirmhalter (siehe Schirme und Schirmhalter) hatte ich angedeutet, dass man mittlerweile fehlende Schirmreife und Kugelringe mit nicht gewöhnlichen Abmessungen selber bauen muss, da solche Stücke nicht mehr aufzutreiben sind.

Zu solchen, kaum noch auffindbaren Schirmhaltern gehören z.B. Schirmreife mit 210 mm Durchmesser. Auch größere Schirmreife z.B. mit 280 mm Durchmesser oder gar noch größer gibt es nicht zu kaufen.

Bei den Kugelringen sind solche sehr rar, die entweder einen seltenen Innendurchmesser haben (z.B. 62 mm für 16‘‘‘ Central Vulkan-Brenner oder 47 mm für 12‘‘‘ Kosmos-Brenner) oder für außergewöhnliche Kombinationen von Brenner- und Schirmgröße passend wären. Beispielsweise wenn man einen Tulpenschirm mit 85 mm Kragenweite bei einem 10‘‘‘ Kosmos-Brenner verwenden will, müsste man einen Kugelring finden, deren Innendurchmesser ca. 42 mm und Außendurchmesser ca. 86 mm aufweist. Solche Kugelringe gibt es nirgends zu kaufen, folglich muss man sie selbst konstruieren.

 

Konstruktion von Kugelringen

Die Konstruktion eines Kugelrings mit ungewöhnlichen Dimensionen, aber für weit verbreitete 10‘‘‘ und 14‘‘‘/15‘‘‘ Brenner ist denkbar einfach, da man ihn aus zwei herkömmlichen Kugelringen zusammenstellen kann. Man braucht die beiden Kugelringe nur exakt konzentrisch zusammen zu schrauben oder zu löten; den kleineren Ring vorzugsweise unter dem größeren. So kann man ohne Schwierigkeiten größere Tulpen oder Kugelschirme mit bis zu 100 mm Kragenweite an kleinen Brennern, beispielsweise mit 10‘‘‘ Kosmos-Brennern verwenden.

Die fehlenden Kugelringe mit 62 mm Innendurchmesser kann man aus einem üblichen 85 mm-Kugelring (Innendurchmesser ca. 55 mm) bauen, indem man den Innendurchmesser auf 62 mm erweitert. Das kann z.B. geschehen durch mehrfache horizontale Einschnitte und Aufbiegen der Zacken, so dass eine größere Innenöffnung entsteht, oder auch durch das komplette Aussägen des Innenteils bis 62 mm Innenöffnung. Bei dem letzteren Verfahren fehlen allerdings die biegbaren Zacken zur festen Befestigung des Kugelrings am Brenner. Braucht man anstatt 85 mm- einen 100 mm-Kugelring, muss man dann einen solchermaßen bearbeiteten 85 mm-Kugelring mit einem 100 mm-Kugelring kombinieren.

Kugelringe für 12‘‘‘ Kosmos-Brenner kann man ganz analog aus 70 mm-Kugelringen für 10‘‘‘ Kosmos-Brenner anfertigen, indem man auch hier durch entsprechendes Schnitzen und Biegen der inneren Zacken den Innendurchmesser von 42 mm auf 47 mm erweitert.

 

Kugelringe mit außergewöhnlichen Dimensionen
Obere Reihe, von links: 85 mm-Kugelring für 10‘‘‘ Kosmos-Brenner (Kombination aus 70 mm- und 85 mm-Kugelringen)
Ein originaler 85-mm Kugelring für 12‘‘‘ Kosmos-Brenner (sehr selten!)
85 mm-Kugelring für 12‘‘‘ Kosmos-Brenner (Kombination aus 70 mm- und 85 mm-Kugelringen; ersterer geschlitzt und angepasst)
Untere Reihe, von links: 100 mm-Kugelring für 14‘‘‘/15‘‘‘ Brenner (Kombination aus 85 mm- und 100 mm-Kugelringen; letzterer in verzierter Form aus den USA)
85 mm-Kugelring für 16‘‘‘ Brenner (geschlitzter 85 mm-Kugelring)
100 mm-Kugelring für 16‘‘‘ Brenner (2-stufiger Eigenbau mit Messing-Zierband)

 

Tulpen mit mehr als 100 mm Kragenweite sind eigentlich für Gaslampen, können aber auch gut an Petroleumlampen verwendet werden. Dafür muss man allerdings geeignete Kugelringe mit mehr als 100 mm Durchmesser finden, was wiederum in Europa kaum möglich ist. Aus den USA kann man dagegen neu hergestellte 5 Zoll-Kugelringe (125 mm) für 20‘‘‘ Brenner bekommen. Ich habe einige 125mm-Kugelringe durch Kombination von passenden Innenringen und 125 mm-Schirmreifen selbst gebaut.

 

Kugelringe mit 120-125 mm Durchmesser
Obere Reihe, von links: 120 mm-Kugelring für 14‘‘‘/15‘‘‘ Brenner (2-stufiger Eigenbau mit Messing-Zierband)
125 mm-Kugelring für 20‘‘‘ Brenner (Kombination aus 100 mm- und 125 mm-Kugelringen, letzterer aus USA, aber hier mit abgetrennten Messingarmen)
125 mm-Kugelring für 20‘‘‘ Brenner (Kombination aus 100 mm-Kugelring und 125 mm-Schirmreif; letzterer hier mit abgetrennten Messingarmen)
Untere Reihe, von links: Versilberter 125 mm-Kugelring für 20‘‘‘ Brenner (Kombination aus 125 mm-Schirmreif und passendem Innenring)
125 mm-Kugelring für 20‘‘‘ Brenner (neue Ware aus den USA)
125 mm-Kugelring für 20‘‘‘ Brenner (2-stufiger Kugelring aus Großbritannien; rar)

 

Konstruktion von Schirmreifen

Die Konstruktion von Schirmreifen mit ungewöhnlichem Durchmesser erfordert viel mehr Arbeit, denn hierfür muss man die fehlenden Reife und die S-förmigen Arme selbst basteln. Für den passenden Innenring kann man gewöhnliche Kugelringe nehmen. Ich beschreibe hier meine Vorgehensweise in knapper Form, leider ohne Foto-Demonstration (ich habe es versäumt, Fotos für die Schritt-für-Schritt-Anleitung zu machen, als ich Schirmreife selbst konstruiert habe).

Auf einer großen, planen Holzplatte zeichne ich zunächst mit einem geeigneten Zirkel den genauen Durchmesser des Schirmkragens, für den ich den Schirmreif konstruieren möchte. Ich nagele dann mehrere stabile Nägel mit jeweils ca. 3 cm Abstand genau senkrecht auf dieser kreisförmigen Linie, nur so tief, dass sie unverrückbar fest sitzen, aber ihr Oberteil 3-4 cm draußen bleibt. Auf diese Art und Weise hat man eine kreisförmige „Schablone“ für den Schirmreif geschaffen.

Nun lege ich ein geeignetes Messingband von ca. 1 cm Höhe ganz eng anliegend von außen an die Nägel. Um das Ausfedern des Messingbands zu vermeiden, muss man ca. alle 10 cm Nägel außen direkt am Messingband nageln. Dieses Band bildet später den Reif. Messingbänder bekommt man in unterschiedlichen Dicken und Abmessungen im Internet. Ich benutze ein Messing-Zierband, der etwa 12 mm hoch und 1,4 mm dick ist (Bezugsquelle in eBay; Suchbegriff: Messingzierband).

Ist das Messingband ordentlich kreisförmig und richtig eng anliegend angelegt, schneide oder säge ich den überstehenden Rest ab. Bei recht dünnem Messingband kann man das eine Ende 1-2 cm überstehen lassen, um dieses Ende mit dem anderen Ende zu verlöten. Bei dem recht dicken Zierband, das ich verwende, säge ich die Enden völlig bündig ab und löte ich sie zusammen mit einem Messingstücken, das ich an ihre Innenseite anlege.

Die Messingarme forme ich aus 2 oder 3 mm starker Messingrundstange in einer geeigneten S-Form, die ich zunächst auf eine Holzplatte gezeichnet habe und mit mehreren, entlang der Zeichnung eingeschlagenen starken Nägeln eine entsprechende Biege-Schablone konstruiert habe. 3 mm Stangendicke erfordert ziemlich viel Kraft und es gelingt nicht die erwünschte S-Form gleich zu erlangen. Daher bringe ich die Arme anschließend in ihre endgültige Form, indem ich sie mit zwei Kneifzangen behutsam weiter biege. Dabei kontrolliere ich immer, dass die Arme möglichst die gleiche Form bekommen, indem ich sie öfter aufeinander lege und schaue, ob sie noch bearbeitet werden sollen.

Den Innenring des Schirmreifs präpariere ich aus einem in der Größe passenden Kugelring. An dessen Außenwand bohre ich drei passende Löcher, in die jetzt die S-förmigen Messingarme eingesteckt und gelötet werden. Das Bohren an der dünnen Außenwand ist knifflig und schwierig. Stattdessen kann man auch 3 große Kerben einsägen (z.B. mit Proxxon® Trennscheiben).

Das Zusammenlöten des Reifs mit den drei Armen und dem Innenring erfordert ziemliche Präzision, denn alles soll genau zentriert und waagerecht verlötet werden. Dazu lässt man den Reif immer noch in seiner Nagelschablone, denn dort ist er unbeweglich befestigt. Ich markiere die drei Stellen am Reif, wo die Enden der Messingarme angelötet werden sollen. An diesen drei Stellen lege ich drei Holzplättchen mit identischer Höhe, so dass angelegte Enden der Messingarme ziemlich bündig mit der oberen Kante des Reifs zu stehen kommen.

Genau mittig lege ich den Innenring mit der Oberseite nach unten auf vorbereitete Holzklötzchen, um ihn genau waagerecht zu platzieren. Die Holzklötzchen dienen gleichzeitig als Abstandhalter von der unteren Holzplatte. Die Höhe dieses Abstandes hängt etwa von der Gesamtgröße des konstruierten Schirmreifs ab. Das muss man von vorhandenen Schirmreifen in etwa ableiten und die S-förmigen trägerarme auch entsprechend geformt haben. Zuletzt schiebt man die drei Messingarme durch die vorbereiteten Löcher (oder Einkerbungen) in den Innenring. Man muss darauf achten, dass die Arme gleich lang sind. Gegebenenfalls die Lage des Innenrings etwas korrigieren.

Wenn alles zufriedenstellend platziert ist, klebe ich die Teile mit Tesafilm (noch besser mit Maler-Kreppband) so gut es geht an ihren endgültigen Orten, so dass sie sich nicht mehr bewegen und wegrutschen können. Danach löte ich die drei Trägerarme an ihren Enden am Reif und am Innenring.

Ich gebe zu, das ist eine sehr arbeitsintensive, aufwändige und gleichzeitig nervtötende Arbeit. Sie erfordert Geschick, Geduld und unbedingten Willen. Das Ergebnis ist natürlich ein Unikat, worauf man stolz sein kann. Im nächsten Bild zeige ich schematisch die endgültige Anordnung vor dem Zusammenlöten. In den anschließenden Fotos erkennt man auch Details, die das oben Beschriebene etwas veranschaulichen.

 

Schematische Anordnung der Schirmreifteile zum Verlöten
A = Messingband als Reif geformt
B = S-förmige Trägerarme
C = Gewöhnlicher Kugelring als Innenring des Schirmreifs

 

Selbstgebaute Schirmreife in unterschiedlichen Größen
Obere Reihe, von links: Sehr großer Schirmreif, Ø 44 cm, mit angebrachtem Textilbehang, Innenring aus 100 mm-Kugelring (L.023)
Schirmreif aus Zierband, Ø 28 cm, Innenring aus 100 mm-Kugelring (L.212)
Untere Reihe, von links: Schirmreif aus amerikanischem Trägerring für Hängelampen, Ø 25 cm, und amerikanischem Schirmhalter (ohne Außenreif) (L.233)
Schirmreif aus Zierband, Ø 21 cm, Innenring aus 85 mm-Kugelring (L.088)

 

Selbstgebauter, 44 cm großer Schirmreif für die Standlampe L.023
Obere Reihe, von links: Der Schirmreif aus dünnem Messingband, mit 4 Trägerarmen und angebrachtem Textilbehang; Holzplättchen zur Schonung des Schirmkragens
Der Innenring aus zwei 100 mm-Kugelringen, von oben gesehen
Untere Reihe, von links: Der innen angelötete Messingrundstange zur Versteifung und Stabilisierung des kreisförmigen Reifs
Der Innenring aus 100 mm-Kugelring, von unten gesehen

 

Selbstgebauter 28 cm Schirmreif für die Lampe L.212
Obere Reihe, von links: Der Schirmreif aus dickem Zierband und mit 4 Trägerarmen
Der Innenring aus 100 mm-Kugelring, von unten gesehen
Untere Reihe, von links: Das innen angelötete Messingplättchen zum Verbinden der beiden Enden des Zierbandes
Die Lötstelle eines Trägerarms an der Innenkante des Reifs