© Tsekyi Thür

Einiges über mich

Das ist zwar keine Information, die zum Sammeln der Petroleum-Lampen notwendig wäre, aber ich glaube, es wäre interessant, den Menschen hinter dieser Website, und das, was ihn bewogen hat, dieses Sammelgebiet anzufangen, kennen zu lernen.

Ich heiße Harutyun Hanciogullari. Spätestens jetzt wissen Sie, dass ich kein gebürtiger Deutscher bin. Da mein Name ein Zungenbrecher ist, nennen mich alle Freunde und Bekannte, auch meine Familie, seit jeher „Arto“ mit Kosenamen. Ich bin 1951 in Istanbul  als Sohn armenischer Eltern geboren. Nach dem Abitur und 2 Jahren Ingenieur-Studium in Istanbul bin mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen, um Chemie zu studieren, und seitdem nenne ich Deutschland als mein zweites Heimatland. Nach Studium, Promotion und nach langen Arbeitsjahren in einem großen Chemie-Unternehmen bin ich mittlerweile Rentner und kann mich besser meinen Sammeltätigkeiten widmen.

Das Sammeln hat mich fast mein ganzes bisheriges Leben lang fasziniert und beschäftigt. Ich kann sagen, ich bin ein Sammler aus Passion, einer von der Sorte, die immer irgendwas sammeln muss, sei es auch nur schöne Kieselsteine und Muscheln am Strand. Nach anfänglichen Sammelgebieten (Briefmarken, Zigarettenschachteln) kam ich mit ca. 15-16 Jahren noch als Schuljunge zu einem richtig schönen Sammelgebiet, das im Grunde genommen bis heute unvermindert anhält; nämlich das Sammeln von schönen, wertvollen, alten, antiquarischen Büchern. Man kann schon ahnen, dass dieses Gebiet viel größere  finanzielle Ressourcen verlangt als das amateurhafte Sammeln von Briefmarken oder gar leeren Zigarettenschachteln. Alte, schön in Leder gebundene, mit Kupfer- oder Stahlstichen illustrierte Bücher sind nicht billig. So ist es verständlich, dass dieses Sammelgebiet erst dann richtig in Schwung kam, als ich als frisch promovierter Chemiker in die Dienste meiner Firma eintrat.

Mein Interesse an alten Petroleumlampen wurde erst vor einigen Jahren schlagartig geweckt, als ich einen alten Freund aus Istanbuler Zeiten, Ara Kebapcioglu, im Sommer 2011 in Paris besuchte.

Ara und ich kennen uns seit unserer gemeinsamen Zeit 1970-71 in der damals amerikanischen Ingenieurshochschule Robert College in Istanbul (heute Bosporus University).  Er ist Armenier wie ich. Wir sind 1971, nach den Studentenunruhen in Istanbul, gemeinsam nach Deutschland gekommen, um hier in aller Ruhe Chemie zu studieren. Nach einer Weile haben sich aber unsere Wege getrennt; er wollte in Frankfurt studieren, ich dagegen in Marburg. Nach einigen wenigen Jahren in Deutschland  ist er nach Paris emigriert; und wir haben uns endgültig aus den Augen verloren.

Und nun, nach 40 Jahren wollte ich Ara in Paris besuchen, und meiner zweiten Ehefrau Maria Antonietta Paris zeigen, denn sie war noch nie in dieser wunderschönen Stadt gewesen. Es war ein schöner Sommertag im Juni 2011, als ich mein Auto vor Aras kleinem Geschäft in Paris parkte. Nach einer überschwänglichen Begrüßung betrat ich sein Geschäft, und konnte vor lauter Faszination und Begeisterung kaum Luft holen! Ara betreibt ein kleines, aber exklusives Geschäft für alte Lampen (er hatte das Chemie-Studium schon lange an den Nagel gehängt und sein Interessengebiet zu seinem Beruf gemacht). Sein Geschäft quoll von wunderschönen, alten Lampen über; die Holzregale an den Wänden barsten vor Lampen; die Decke war von den herabhängenden Lampen kaum zu sehen. Einige wenige elektrifizierte Lampen gaben ein gedämpftes Licht ab, das von den anderen Lampenkörpern hundertfach reflektiert wurde… Ich kam mir buchstäblich wie der Aladin vor, der in Ali Babas Höhle von den gehäuften Goldschätzen und Juwelen regelrecht übermannt wird, und weiß nicht wohin er zunächst schauen soll… In diesem Augenblick hat „Virus petrolensis“ von mir Besitz ergriffen, das ist mir im Nachhinein völlig klar.

 

 

Kurz darauf habe ich angefangen, Petroleumlampen zu sammeln. Völlig ahnungslos am Anfang, musste ich mir mühsam die notwendigen Kenntnisse aneignen, mit Hunderten von Fragen Aras Geduld strapazieren und mit dem Ankauf von falschen Lampen ordentlich viel Lehrgeld zahlen. Aber das hat sich in anderer Hinsicht sehr gelohnt: Ich habe andere Lampensammler kennen gelernt, die mit ihrer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit mein soziales Umfeld sehr bereichert haben.

Seitdem sind genau zehn Jahre vergangen; und ich habe von Juni 2011 bis Juni 2021 genau 365 Petroleum-Lampen gesammelt, kleine und große, billige und teure, einfache und reich ausgestattete, aber immer für mich schöne Petroleum-Lampen! Warum genau 365 Lampen? Nun, diese „magische“ Zahl (eine Lampe für jeden Tag eines Jahres) hat mir signalisiert, dass ich jetzt endgültig aufhören sollte. Nach meiner 365. Lampe (erworben in April 2018) habe ich doch noch weitere Lampen gekauft, allerdings nur, um manche von meinen viel früher erworbenen Lampen zu ersetzen, die aufgrund ihrer sehr simplen Gestalt doch nicht mehr in diese schöne Sammlung passten. Aber ich möchte weiterhin konsequent an der Gesamtzahl 365 festhalten. Meine Sammlung feiert folglich jetzt, im Juni 2021, ihr zehnjähriges Jubiläum, und ich schenke ihr (und natürlich auch mir) diese Website als Jubiläumsgeschenk!

Was will ein Sammler mit seinen gesammelten Schönheiten? Manche Sammler verfassen Bücher über ihre Sammlungen. Museen machen Sonderausstellungen und geben Ausstellungskataloge heraus. Ich kenne auch Sammler, die ihre ganz eigenen Lampenmuseen gegründet haben. Auf jeden Fall ist der Wunsch, die eigenen gesammelten Schätze anderen Leuten zugänglich zu machen, ein maßgeblicher Faktor bei solchen Unternehmungen. Und ich gehöre auch zu solchen Sammlern, die ihre Sammelstücke, ihre Trophäen, zeigen wollen, damit auch andere Menschen sie bewundern, deren Schönheit würdigen, deren Wert schätzen können. Daher kam mir die Idee, Fotos von meinen Lampen und deren Geschichte in einer Internetseite allen Leuten, die Interesse an Petroleum-Lampen haben, zugänglich zu machen. Kurz daraufhin hatte ich auch den Wunsch, auch Informationen zu liefern, die den interessierten Anfängern zu diesem Sammelgebiet hilfreich sein können. Denn brauchbare Literatur oder andere Quellen sind sehr rar. So ist diese Website entstanden.