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Reinigung von Messing und Kupfer

Das Reinigen der Metallteile einer Lampe aus Messing und Kupfer kann einige Zeit kosten, je nachdem, wie stark diese Metalle angelaufen sind. Kupfer wie Messing (oder auch Bronze) laufen gleichermaßen mit der Zeit an: sie werden allmählich dunkelbraun bis fast schwarz (siehe Metalle in Infoboxen). Diese Schicht kann so stark und dick geworden sein, dass man das darunter befindliche Metall nicht einmal erkennen kann. Es kommt nun unweigerlich die Frage auf, ob man die angelaufenen Oberflächen reinigen soll oder nicht. Bei dieser Frage gibt es  ganz unterschiedliche Meinungen. Für die einen sind die angelaufenen Stellen Patina, für die anderen sind sie Schmutz. Zur Klarstellung: es geht um echt mit der Zeit dunkel angelaufene Metallteile, und nicht um absichtlich aufgetragene Patinafarbe, die den Bronzestatuen oder Zinkgussteilen eine völlig andere Farbe und ein schönes Aussehen verleiht.

 

Patina: Ja oder Nein?

Es gibt Sammler, die die angelaufenen Messing- oder Kupferteile einer Lampe als Patina betrachten und sie nicht entfernen. Patina ist für diese Sammler ein Zeichen des antiken Zustandes, sozusagen eine wertvolle Auszeichnung, die man möglichst erhalten sollte. Es wird sogar manchmal regelrecht damit geworben, dass die angebotene Lampe eine schöne, altehrwürdige Patina hätte. Patina scheint ein Qualitätsmerkmal geworden zu sein, das den Wert einer Lampe (oder einer anderen Antiquität) und damit auch ihre Anziehung auf Kaufwillige erhöht. Auch manche von meinen Sammlerfreunden teilen diese Ansicht.

Ich persönlich bin ich anderer Ansicht. Ich unterscheide sehr wohl zwischen einer schönen, gleichmäßigen Patina, die der Lampe eine schöne Ausstrahlung verleiht, und einer scheckig, ungleichmäßig angelaufenen Metalloberfläche, die dadurch sogar regelrecht „verschmutzt“ erscheint, auch wenn sie sauber ist. Für mich gibt es erhaltenswerte, das Aussehen der Lampe in keiner Weise störende Patina, und angelaufene Teile, die der Lampe ein schmutziges, unwürdiges Aussehen verleihen.

Hier gebe ich meine ganz persönliche Meinung darüber, ohne sie als einzig Richtige darstellen zu wollen. Die Metallteile einer Lampe sind nicht dafür entworfen und angefertigt worden, damit sie später wirklich bräunlich schwarz aussehen. Sonst würde man nicht einen Schutzlack anbringen, um solche Flächen vor Anlaufen zu schützen (siehe auch unten). Für mich sind die Messing- und Kupferteile am schönsten, wenn sie in ihrer ursprünglichen Farbe glänzen. Anlaufschichten fangen zunächst als goldene (Messing) und rötlich-braune (Kupfer) Verfärbung des Metalls an. Diese Verfärbung tut dem Glanz noch keinen Abbruch. In diesem Anfangsstadium ist das Anlaufen noch gar nicht störend. Erst wenn es weiter voranschreitet und eine immer dunkler und matter werdende Verfärbung aufweist, dann verlieren die Metallteile ihre Schönheit; sie werden matt, stumpf, recht dunkel, und sehen halt verschmutzt aus. Das hat mit „Altehrwürdigkeit“ und mit „Antiquität“ nichts zu tun, da es kein Alterungsprozess ist, sondern eine Reaktion des Metalls mit Luftsauerstoff und -schwefel. Alte Gegenstände brauchen diese Schicht nicht, um als wirklich alt anerkannt zu werden; man erkennt ihr Alter auch in völlig sauber geputztem Zustand. Eine Lampe wird nicht erst dann alt und wertvoll, wenn ihre Metallteile nur noch schwarz angelaufen aussehen. Ich bin in meiner Meinung ganz konsequent und entferne die in meinen Augen hässlichen Anlaufschichten von Metalloberflächen, so dass die Lampe in ihrer ganzen ursprünglichen Schönheit, und – wie ich empfinde – in ihrer Würde neu erstrahlt.

Ganz anders dagegen, wenn die angelaufene Oberfläche sehr gleichmäßig dunkel geworden ist und sich sogar mit sehr feiner Stahlwolle bzw. anderen Poliermitteln zum Hochglanz polieren lässt. Dann ist es wirklich schade, solche Schichten zu entfernen.

Es befinden sich einige Lampen in meiner Sammlung, deren Metallteile eine dermaßen schöne Patina angesetzt haben, dass ich sie nur zu polieren brauchte. Vier davon habe ich im nächsten Foto zusammengestellt.

 

Vier Beispiele für hervorragende Patina
Links: Ein Sockelteil aus Messingguss in dunkler Patina (L.322)
Mitte: Sockel und Figur aus Zinkguss in Original-Bronzierung (L.120)
Rechts, oben: Eine Hippokamp-Statue (möglicherweise Bronze) in heller Patina (L.340)
Rechts, unten: Ein gusseiserner Sockel in Original-Bronzierung (L.142)

 

Reinigung der angelaufenen Metallteile

Zur Reinigung solchermaßen angelaufener Metalloberflächen muss man die Anlaufschicht abtragen bzw. abschleifen. Normale Spülmittel oder Lösemittel wie zum Beispiel Aceton können diese Schicht überhaupt nicht entfernen. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen, je nachdem, ob man glatte Flächen oder Teile in Relief wie zum Beispiel Sockel aus ornamentalem Messingguss reinigen will:

a) Glatte Oberflächen: Bei glatten Oberflächen ohne große Vertiefungen und Erhebungen soll möglichst der Ursprungsglanz wieder hergestellt werden. Hier hilft nur ein handelsübliches Messingputzmittel. Ich verwende gerne die Tuben von Mellerud® Polierpaste; man kann sie in Bauhäusern und Drogerien erwerben. Das cremige Putzmittel wird auf die zu reinigende Fläche aufgetragen und mit einem Stofflappen intensiv daran gerieben, bis die schwarz angelaufene Schicht entfernt ist und das Metall zum Vorschein kommt. Das Mittel enthält Chemikalien, die die angelaufene Schicht auflösen, und fein verteilte, winzige Festkörper, die die Funktion eines extrem feinen Schmirgelpapiers üben. Je nach Anlaufstärke muss man diese Prozedur eventuell mehrfach anwenden. Dabei färbt sich der geriebene Stoff von anfangs grünlich/bräunlich bis tief schwarz, wenn die angelaufene Schicht schon gut abgetragen ist. Ich bevorzuge die Bearbeitung kleinerer Flächen von 4-5 cm Größe. Angrenzende Flächen werden überlappend bearbeitet, so dass die Reinigung homogen und flächendeckend erfolgen kann.

Anschließend wird die Gesamtfläche mit einem sauberen, weichen Stoff durch mehrfaches, starkes Reiben von Putzmittelresten befreit und blank poliert. Ich bevorzuge hierfür immer ein Frottee-Handtuch, da die Frottee-Schlingen auch in die feinen Vertiefungen der geprägten oder gepunzten Metalloberfläche gelangen und Putzmittelreste restlos entfernen können. In den Vertiefungen zurückgebliebene Putzmittelreste werden sonst hellgrün wenn sie trocken sind und sehen dann nicht sehr schön aus. Die auf solcher Art gereinigte und polierte Metalloberfläche erglänzt in fast makellosem Glanz. Die Schweißarbeit belohnt Sie mit einer wunderschön glänzenden Oberfläche.

Ein weiteres, sehr wirksames Hilfsmittel ist Stahlwolle der zweitfeinsten Stufe (mit 000 gekennzeichnet, gibt’s in Baumärkten oder im Internet-Handel). Mit dieser Stahlwolle kann man viele Verunreinigungen auf fast allen Oberflächen aus Metall, Glas, Porzellan, glasierter Keramik, Marmor entfernen, wenn man behutsam damit umgeht. Die allerfeinste Stufe (0000) hat kaum noch Reibeeigenschaft und wird zur Politur verwendet. Die gröberen Stufen 0 und 00 kratzen stärker und sollten nicht eingesetzt werden.

 

Mein Tipp: Man kann die Wirkungsweise von Stahlwolle und Politurcreme für Messing sehr wirksam kombinieren, indem man ein Stückchen Stahlwolle mit Messing-Politurcreme befeuchtet und damit die stark angelaufene, fast dunkelbraun aussehende Stelle abreibt. Beide Mittel ergänzen sich in ihrer Wirkungsweise sehr wirksam; und eine sehr hartnäckige, stark angelaufene Oberfläche wird wesentlich schneller gereinigt.

 

Vernickelte Oberflächen laufen nicht an; müssen folglich nur leicht gereinigt werden. Aber auch hier lohnt sich die Reinigung und Politur mit Messingputzmittel, um eine schön glänzende Oberfläche zu erzielen.

Oft sind Metallteile alter Lampen mit einem Schutzlack überzogen, um das Metall vor dem Anlaufen zu schützen. Diese Schutzschicht ist bei den hochwertigen britischen Lampen öfter zu finden. Nur, diese klaren Lacke werden mit der Zeit durch die Einwirkung von Luftsauerstoff und UV-Strahlung porös. Durch die entstandenen, feinen Poren kann nun Luft eindringen und an diesen Stellen das Anlaufen des Metalls bewirken. Je nachdem wie alt der Schutzlack ist bzw. wie dick er aufgetragen war, kann das partielle Anlaufen in Form von kleineren und größeren dunklen Punkten optisch recht störend wirken. In diesem Fall wird ein Reinigen der Metalloberfläche sehr mühsam werden, da zunächst der Schutzlack entfernt werden muss.

Es gibt zwar spezielle Lösemittel, mit denen man diesen Lack auflösen und entfernen kann; sie werden jedoch in Bauhäusern nicht angeboten, und ich als Chemiker rate von ihrem Gebrauch auch ab, denn sie sind in unsachgemäßem Umgang durch den Laien gesundheitsgefährdend. Auch hier greife ich unbeirrt zum Messingputzmittel. Ihre feinen Schleifpartikelchen reiben zunächst den Schutzlack ab, wenn man nur fleißig daran reibt. Dass ein Schutzlack angebracht war, erkennt man daran, dass sich der Stoff, mit dem man die Oberfläche reibt, nicht wie erwartet sofort schwärzlich färbt, sondern nur leicht gräulich-grünlich. Erst nach dem Entfernen des Schutzlacks beginnt die dunklere Färbung; dann weiß man, dass die blanke Metalloberfläche erreicht ist.

 

Mein Tipp: Man kann die Wirkungsweise von Aceton und feiner Stahlwolle auch sehr wirksam kombinieren, indem man ein Stückchen Stahlwolle in Aceton taucht und damit den Schutzlack intensiv abreibt. Aceton erweicht bzw. löst die Oberfläche des Schutzlacks an, und die Stahlwolle entfernt diese Schicht in gleichem Vorgang rein mechanisch. Diese Arbeitsweise erleichtert das Entfernen der dick aufgetragenen Schutzlack-Schichten.

 

Jetzt taucht sofort die Frage auf, ob man nicht die frisch gereinigte und polierte Metalloberfläche erneut durch einen Schutzlack schützen sollte? Man kann das tun, wenn man will. Es gibt dafür Sprays (zum Beispiel „Zaponlack“; noch besser wären nicht glänzende „Fixiermittel“ und „Firnisse“ für Aquarelle und Pastelle). Allerdings bezweifle ich, ob das jedem gelingt, den Spraylack gut und gleichmäßig in einem homogenen, dünnen Film anzubringen. Das ist reine Übungssache. Man tendiert eher zu stärkerem Besprühen, mit dem Ergebnis einer dickeren Lackschicht, die man jetzt sogar sehen kann. Im schlimmsten Fall erzeugt man sogar Tropfen, die herunter laufen. Ich persönlich benutze keinen Schutzlack. Ich mag die offene Metalloberfläche. Ich nehme auf mich, die Lampe nach ein paar Jahren erneut zu reinigen, wenn das Metall beginnt, stärker anzulaufen.

b) Reliefierte Teile: Bei stark „modellierten“ Teilen mit viel Relief, zum Beispiel bei den Sockelteilen aus ornamental gegossenem Messing hilft das manuelle Reiben mit einem Stofflappen nicht sehr gut; man kann damit nur die äußersten Erhöhungen von Anlaufschicht befreien, die restlichen, tiefer liegenden Bereiche werden nicht erreicht, denn der Finger kann nur Druck auf den erhöhten Teilen ausüben. Das Ergebnis ist nicht sehr zufriedenstellend, da größere Bereiche immer noch schwarz angelaufen zurück bleiben: Das Aussehen ist immer noch recht dunkel. Hier benutze ich oft die Kunststoff-Schleifvorsätze und Schleifbürsten von Dremel®. Es gibt sie in zwei geeigneten Formen und jeweils in drei unterschiedlichen Schleifgraden: fein, mittel und grob. Ich arbeite sehr gerne mit mittleren und feinen Vorsätzen, da sie die Metalloberfläche weniger stark zerkratzen. Die dünnen Schleifbürsten weisen viel längere Standzeiten auf, d.h. sie verbrauchen sich nur sehr langsam. Man muss hier wissen: Im Gegensatz zum cremigen Putzmittel greifen diese Schleifvorsätze das Metall etwas an; sie entfernen die angelaufenen Schichten sehr effektiv und schnell weg, lassen aber etwas mattere Metalloberfläche zurück aufgrund feiner und feinster Kratzer. Um diese feinen Kratzer zu entfernen, nehme ich Stahlwolle und reibe kräftig über die gereinigten Oberflächen. Die Stahlwolle glättet die zerkratzten Partien, so dass das Metall hier wieder sehr schön glänzt. Dieser Glanz ist aber immer noch etwas stumpfer im Vergleich zu Oberflächen, die man nur mit dem cremigen Putzmittel gereinigt hat. Das stört aber nicht, da hier keine großen, glatten Oberflächen zu sehen sind, sondern stark verformte, ondulierte, zerklüftete Teile. Diese Schleifvorsätze eignen sich also nicht zur Reinigung der blanken, glatten Oberflächen aus Messing- oder Kupferblech.

 

Schleifvorsätze und Trennscheiben  
Oben: Links: dünne Schleifbürsten; rechts: Schleifvorsätze mit abrasivem Schaumstoff (jeweils fein, mittel und grob) von Dremel®
Unten: Links: dünne und breite Fächerschleifer; rechts: feine Trennscheiben von Proxxon®

 

Achtung! Immer Schutzbrille tragen, wenn Sie mit Schleifvorsätzen und Trennscheiben an Handbohrern arbeiten. Trennscheiben zersplittern sehr leicht und ihre zum Teil scharfkantigen Teile fliegen in der Luft. Von Schaumstoff-Schleifvorsätzen trennen sich kleine Teile ab, wenn man mit denen an scharfe Kanten gerät. Auch diese abgetrennten, winzigen Teile fliegen in der Luft. Schutzbrillen schützen Ihre Augen vor diesen Gefahren. Ein anderes, nicht zu vernachlässigendes Problem bei der Entfernung der angelaufenen Schicht mit den geschilderten Dremel-Vorsätzen ist die feine Staubentwicklung. Die abgeschliffenen Partikelchen der Anlaufschicht sind extrem fein und gehen wie eine Dampfwolke in die Luft. Sie setzen sich in ihren Nasenlöchern, in ihrem Mund, in ihren Ohren, etc. ab. Hier ist ein Atemschutz sehr empfehlenswert. Schutzbrille und Atemschutz gibt es in Bauhäusern.

Mein Tipp: Befestigen Sie das Saugrohr eines normalen Staubsaugers mit Schraubzwingern etc. so auf Ihrem Arbeitstisch, dass Sie die Schleifarbeiten mit Schleifvorsätzen direkt vor dem Rohr ausführen können. Bei laufendem Staubsauger wird der feine Schleifstaub direkt abgesaugt und hat damit keine Chance, sich überall zu verbreiten. Dabei können Sie auf den Atemschutz verzichten. Die dabei entstehende Geräuschkulisse kann bei sehr empfindlichen Ohren auf Dauer störend wirken; dann hilft ein Gehörschutz (ebenfalls erhältlich bei den Bauhäusern).

 

Der Vorteil dieser Art von Reinigung ist, dass die tiefsten Partien auch von diesen Schleifvorsätzen nicht erreicht werden können. Das gilt insbesondere für die breiten Schleifvorsätze mit abrasivem Schaumstoff. Da diese Vorsätze recht breit sind, kann man mit ihnen nicht in alle kleinen Vertiefungen gelangen. Es verbleiben damit tiefe, schmale „Täler“ mit ihrer schwarzen Färbung zurück, und das ergibt ein sehr plastisches, interessantes, lebhaftes Aussehen, das man nie erhalten würde wenn man alles Angelaufene restlos entfernen täte. Die dünnen Schleifbürsten dagegen können fast jede Vertiefung erreichen, wenn man darauf Wert legt. Hier gilt eher, man muss mit Bedacht an die Schleifarbeit gehen und nur die Stellen blank reinigen, die man so gereinigt bekommen möchte, und andere Stellen vermeiden, die ihre dunklere Tönung behalten sollen. Man kann ja die Reinigungstiefe selbst bestimmen, indem man die Prozedur mehr oder weniger sorgfältig und mit mehr oder weniger Druck vornimmt.

Das Ergebnis dieser Vorgehensweise kann man sehr gut bei den Bildern im nächsten Foto betrachten. Diese vier vorgestellten Lampen sind aus Messing und Kupfer hergestellt. Als ich sie erstand, waren sie zum Teil erbärmlich stark angelaufen und völlig verdreckt. Nach der Reinigung mit oben geschilderten Methoden zeigen sie sich in ihrer ganzen Schönheit; die plastischen Figuren und Ornamentteile heben sich vor einem dunkel gehaltenen Hintergrund lebhaft hervor. Hier habe ich ein Experiment gewagt: Den nicht modellierten Hintergrund habe ich einheitlich in dunklen Tönen überbemalt, um die Figuren noch besser hervortreten zu lassen. Als Farbe habe ich Revell®-Farben (matt und halbmatt) genommen, die eigentlich im Modellbau verwendet werden (erhältlich in Fachgeschäften zu Modellbau oder in Malergeschäften).

 

Lampen aus Messing und Kupfer in Detail-Aufnahmen, jeweils vor und nach der Bearbeitung
(Obere Reihe: Details im Fundzustand; untere Reihe nach Reinigung und Bearbeitung)
Von links: Ehemalige Modérateur-Lampe, Vase aus geprägtem Messingblech (L.140)
Ehemalige Modérateur-Lampe aus geprägtem Messingblech (L.128)
Vase aus durchbrochenem Messingguss (L.171)
Ehemalige Modérateur Lampe, Vase aus Kupferblech (L.157)

 

Entfernung der Anlaufschicht mit Säure

Eine vollständig andere Art, angelaufene Metalloberflächen von Anlaufschichten zu befreien, ist deren Behandlung mit Säuren. Die dunkelroten Kupferoxide, die sich mit der Zeit an der Messingoberfläche gebildet haben, lösen sich nämlich sehr gut in Säuren. Man kann angelaufene Messing- oder Kupferstücke in sehr schwach konzentrierten Säuren einige wenige Minuten lang einlegen. Je nach Stärke der Anlaufschicht muss man die Wirkdauer recht genau dosieren, denn Säuren lösen nicht nur die Anlaufschichten, sondern auch die darunter befindliche Messingfläche sehr gut auf. Da zunächst die Zinkatome des Messings von den Säuren aufgelöst werden, verarmt die Messingoberfläche an Zink und die verbliebenen Kupferatome färben die Oberfläche ordentlich rot. Später muss man diese rote Schicht wieder mühselig abschleifen, bis die gelbe Messingfarbe zum Vorschein kommt.

Das Problem der Säurebehandlung besteht darin, dass man im Säurebad nicht sehen kann, inwieweit die angelaufene Schicht schon gelöst ist, denn auch im aufgelösten Zustand haftet diese Schicht noch an der Oberfläche. Nur mit einer Bürste kann man sie von der Oberfläche entfernen. Dadurch ist eine optische Kontrolle recht schwierig. Man muss mit dauerndem Abbürsten den Fortgang der Prozedur beobachten.

Ein zweites Problem ist durch die Natur der Säurebehandlung gegeben: Jeder Säure-Angriff auf den Metallen hinterlässt feine bis feinste Poren, die später umso schneller wieder anlaufen, da die Metalloberfläche jetzt mehr Angriffsfläche für die Luft bietet.

Aus diesen Gründen und auch deswegen, weil das Arbeiten mit Säuren für Ungeübte recht gefährlich werden kann, rate ich von der Reinigung mit Säuren ab.

 

Reinigung des Brenners

Der Petroleumbrenner ist immer in Messing ausgeführt. Es gibt Brenner, die vernickelt, verkupfert oder sogar versilbert worden sind. Nickel läuft nicht an; es wird mit der Zeit nur durch Verschmutzung etwas stumpf bzw. matt. Silber, Messing und Kupfer laufen dagegen stark an (falls sie nicht durch einen Schutzlack geschützt sind) und müssen gereinigt werden.

Allerdings sollte man zunächst Korb und Galerie vom Brandrohr trennen. Manchmal geht das nicht; die Petroleumdämpfe sind in das Gewinde eingelaufen und dort im Laufe der Zeit richtig verharzt, so dass die Teile nicht abgeschraubt werden können. Wenn so etwas vorkommt, tauche ich den ganzen Brenner über Nacht in Aceton, da Aceton ein sehr gutes Lösemittel für verharztes Petroleum ist.

Manchmal bekommt man mit der erworbenen Lampe einen Brenner, der stark verdreckt ist. Durch Jahrzehnte ist Staub hinein gekommen und hat sich festgesetzt; Petroleum-Rückstände sind zu einer klebrigen Masse erstarrt, so dass nicht einmal der Docht herausgenommen werden kann; das Innenteil der Galerie ist zum Insektenfriedhof mutiert; die Löcher des Korbs sind dick verschmiert von früheren Reinigungsversuchen mit Polierpaste, usw. So ein Brenner braucht dringend ein Reinigungsbad in Soda. Soda ist Natriumcarbonat; ein leicht alkalisches Allheilmittel für viele Reinigungsprozeduren in Küche und Bad, und erhältlich in jeder Drogerie. Ich fülle einen ausrangierten Topf mit so viel Wasser, dass der Brenner (oder mehrere Brenner, falls nötig) fingerdick mit Wasser bedeckt ist, und ich füge ca. zwei Esslöffel Soda hinzu. Ich lasse das Ganze ca. 10 Minuten sprudelnd kochen. Durch den aufgelösten Schmutz wird sich das Wasser in dieser Zeit braun bis dunkelbraun färben. Danach wasche ich den Brenner unter fließendem Wasser, während ich alle erreichbaren Teile mit einer ausrangierten Zahnbürste sauber schrubbe. Es ist sogar oft passiert, dass nach dem Kochen in Soda der Korb von dem Brandrohr getrennt werden konnte.

In sehr hartnäckigen Fällen nützt das manchmal auch nicht. Dann greife ich zum letzten Mittel und erhitze den festgewordenen Gewindeteil des Brenners an der spitzen und sehr heißen Flamme eines Bunsenbrenners (z.B. eines kleinen Handbrenners zum oberflächlichen Karamellisieren von Zucker in der Küche) einige Minuten lang (Achtung: dicke Küchenhandschuhe oder besser Gartenhandschuhe tragen, da das Metall sehr heiß wird), und drehe ihn ständig, um eine gleichmäßige Verteilung der Hitze innerhalb des Gewindes zu erreichen. Die Hitze macht den festen Harz wieder etwas flüssig, und mit einiger Kraft kann man das Brandrohr vom Korb abschrauben. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass vor dieser Arbeit der Docht (sofern einer im Brenner war) abgenommen werden muss. Das Erhitzen des Gewindes mit einem Bunsenbrenner muss aber mit Bedacht ausgeführt werden. Mehrere Teile des Brenners sind miteinander durch Löten verbunden; durch sehr starkes Erhitzen wird der Lötzinn wieder flüssig und kann wegtropfen! Lässt sich der Korb auch mit dieser Maßnahme nicht abschrauben, dann sollte man ihn tunlichst daran lassen; zu kräftiger Drehversuch endet immer mit Verdrehen, Verbeulen oder gar mit Zerreißen des Korbs!

Das Bad in Aceton hat auch einen anderen Vorteil: Andere verharzte, verkrustete Petroleumreste in den entlegensten Ecken des Brenners werden hierdurch ebenfalls abgelöst.

Die Reinigung der Messingoberfläche des Brenners nehme ich folgendermaßen vor: Die glatten Flächen am Brandrohr und am Dochtrad-Ring versuche ich mit Stahlwolle und Messingputzmittel zu reinigen, um den Glanz hier vollständig zu erhalten. Am Korb ist die Stahlwolle die bessere Wahl; das cremige Putzmittel dringt zu sehr durch die gestanzten Löcher. Die Zacken der Galerie sind besser mit der feinsten Dremel®-Schleifbürste zu reinigen, um nachher mit feiner Stahlwolle vorsichtig weiter zu polieren.

Je mehr man Metalloberflächen unterschiedlicher Prägung mit diesen unterschiedlichen Methoden bearbeitet, umso mehr bekommt man ein Gefühl dafür und kann viel sicherer nach dem am meisten geeigneten Mittel greifen.

 

Mein Tipp: Üben Sie an anderen Messing- oder Kupferstücken in Ihrem Haushalt, die Sie sowieso reinigen wollten. Wenden Sie die unterschiedlichen Mittel an und vergleichen die Ergebnisse. Üben Sie auch an wertlosen, kaputten Brennern, die Sie eh nicht einsetzen wollen. Übung macht den Meister!