© Tsekyi Thür

Reinigung der Zinkteile

Die Zinkguss-Lampen, die in eBay Deutschland angeboten werden, sind leider in keinem schönen Zustand. Sie haben meistens ein dunkelgraues Aussehen und ihre Oberfläche ist matt. Man kann nicht einmal ahnen, wie andersfarbig und glänzend sie einmal waren, als sie neu hergestellt und vermarktet wurden. Leider sind alle Kataloge von deutschen und österreichischen Lampenproduzenten ausnahmslos ohne Farben bedruckt worden und geben den heutigen Sammlern keine Gelegenheit, solche Lampen einmal in ihrem Original-Aussehen zu bewundern.

Lampen mit Zinkguss-Teilen wurden ursprünglich immer galvanisch mit einem anderen Metall überzogen, da die Zinkoberflächen mit der Zeit durch Lufteinwirkung Zinkoxide und Zinkcarbonat bilden und dadurch ihre anfängliche, silbrig-glänzende Schönheit verlieren. Dieser Überzug ist meistens aus Messing oder Kupfer, um den Lampen eine vorteilhafte Farbe zu verleihen. Diese Prozedur heißt „Bronzieren“. Da aber galvanisch angebrachte Bronzierungen recht dünn waren, haben diese Metallüberzüge die Zeiten sehr oft nicht überlebt. Durch jahrzehntelange Beanspruchungen haben die Zinkgussteile ihre Bronzierung fast vollständig eingebüßt (siehe auch Metalle in Infoboxen).

Eine andere Möglichkeit, Zinkguss-Teile, insbesondere die Figuren und Skulpturen aus Zinkguss vor Anlaufen zu schützen und ihnen eine Bronze-ähnliche Patina zu verleihen, war die Übermalung mit entsprechenden Farben, die analog zu galvanischen Bronzierungen teilweise oder gänzlich abgerieben wurden.

Die unansehnlich gewordenen, scheckig schwärzlich aussehenden Zinkguss-Lampen hat man irgendwann mit einer Bronzefarbe überlackiert. Auch diese Lackschichten haben mit der Zeit Patina angesetzt; sind dunkler und stumpfer geworden, sind sogar stellenweise abgeblättert. Die in eBay angebotenen Lampen aus Zinkguss sind seit Jahrzehnten ihrem Schicksal überlassen; ihre Oberfläche ist völlig dunkel angelaufen und zusätzlich stark verschmutzt. Man muss in einigen Fällen hellseherische Fähigkeiten entfalten, um die Schönheit der feinen Zinkguss-Oberfläche darunter zu erahnen. Das milde Reinigen mit Spülmitteln kann zwar den Oberflächenschmutz entfernen, kann aber den ehemaligen Glanz nicht hervorzaubern. Diese Lampen kommen jetzt zum Verkauf und sind aufgrund ihres Aussehens leider recht unattraktiv.

Bevor wir Gedanken darüber machen, wie wir diese gänzlich unansehnlich gewordenen Zinkguss-Lampen wieder zu einem neuen, rundum zufriedenstellenden Aussehen verhelfen können, sollen wir uns zunächst deren Reinigung vornehmen.

Ist eine Zinkguss-Lampe gar nicht lackiert worden und ist lediglich mit Resten der ursprünglichen, galvanischen Bronzierung erhalten, dann reicht es aus, die Oberfläche mit den bekannten Schleifvorsätzen zu reinigen und anschließend mit Stahlwolle etwas zu polieren. Solchermaßen gereinigte Zinkguss-Oberflächen sind dann bereit für eine „Neubronzierung“ von Hand.

 

Entfernung vom alten Lack

Hat man dagegen die Lampe irgendwann neu lackiert, um die darunter befindliche, schmutzig-dunkle, „verwitterte“ Oberfläche zu kaschieren, dann muss man zwangsläufig diese Lackschichten entfernen. Diese Prozedur ist insbesondere bei den Lampen unvermeidlich, bei denen man die feinen Details der Gussoberfläche – wofür die Zinkgüsse berühmt sind – unter dicken Farbschichten buchstäblich begraben hat.

Da die Zinkguss-Lampen in erster Linie sehr ornamental geprägte, stark reliefierte Oberflächen mit vielen Höhen und Tiefen aufweisen, und insbesondere die tiefen Stellen noch sehr viel Farbe enthalten, ist deren Reinigung mit Schleifvorsätzen oder gar mit Stahlwolle ein fast unmögliches Unterfangen. Bei solchen Lampen hilft nur ein Bad in Natronlauge.

Natronlauge ist in Wasser gelöstes Natriumhydroxid (chemisch: NaOH) und hat die Eigenschaft, die Bindemittel der alten Lacke aufzulösen, so dass der Lack von allen Flächen entfernt werden kann. Auch die bekannten Abbeizmittel für bemalte Holzmöbel arbeiten auf dieser Basis. Dafür muss man eine ca. 10%-ige Natronlauge ansetzen, und die zu reinigenden Lampenteile einige Stunden (eventuell über Nacht) drin lassen. 10%ige Natronlauge stellt man her, indem man 100 g Natriumhydroxid in 900 g Wasser unter Rühren auflöst. Dies ergibt 1 Liter 10%ige Natronlauge. Falls diese Menge nicht genügend ist, kann man noch mehr Lauge ansetzen, damit die zu reinigenden Lampenteile immer mit Lauge überdeckt sind. Natriumhydroxid ist normalerweise als „Pellets“ im Handel. Das sind weiße Granulate, um das versehentliche Verschlucken von Staub zu vermeiden. Natriumhydroxid ist erhältlich im Chemikalienhandel, in Apotheken oder bei online-Versendern im Internet.

 

Achtung! Natronlauge ist sehr ätzend auf der Haut! Bei allen Arbeiten mit der Natronlauge, beginnend mit dem Ansetzen der Lösung, und später bei der Reinigung der Metallteile, muss man gute Gummi-Handschuhe (nicht die dünnen Latex-Handschuhe, sondern die wesentlich dickeren für gefährliche Flüssigkeiten; erhältlich in gut sortierten Bauhäusern) und eine rundum schließende Schutzbrille tragen! Wenn Sie haben, wäre ein Arbeitskittel auch sehr zu empfehlen, um Ihre Kleidung vor Spritzern zu schützen. Tragen Sie keine offenen Schuhe, Sandalen, Pantoffeln, etc., sondern rundum geschlossene Schuhe. Nehmen Sie das alles nicht auf die leichte Schulter! Ich bin Chemiker und weiß wovon ich rede. Natronlauge hinterlässt ganz hässliche, sehr langsam heilende Löcher auf der Haut, frisst sich durch alle organischen Materialien durch (also auch durch Textilien, die mit Baumwolle, Seide, Leinen, etc. hergestellt sind). Die synthetischen Kunststoffe dagegen werden von Natronlauge nicht angegriffen. Daher empfiehlt sich ein Kunststoffeimer als Behälter für Arbeiten mit Natronlauge, und Kunststoff-Bürsten zur Reinigung der Metalloberflächen. Nach der Arbeit reinigen Sie Ihre Handschuhe und Bürsten unter fließendem Wasser, ohne wild herumzuspritzen. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie jeden Spritzer auf Ihrer Haut vermieden haben, empfehle ich, Ihre offenen Hautpartien mit Wasser abzuwaschen. Sie sollten sorgfältig darauf achten, dass nicht einmal die trockenen Pellets (Granulate, wie Natriumhydroxid geliefert wird) auf Ihre Haut kommen; die Hautfeuchtigkeit reicht aus, um etwas NaOH aufzulösen, was Sie leider viel später merken.

 

Die Metallteile der Lampe brauchen einige Zeit im Natronlauge-Bad, damit der Lack sich gut auflöst. Das kann mitunter einige Stunden dauern. Das hängt natürlich von der Dicke der Lackschicht ab. Höhere Konzentrationen als 10% beschleunigen die Lösearbeit, sind aber noch gefährlicher als oben beschrieben und greifen sogar die Zinkoberfläche an. Versuchen Sie mit der niedrigen Konzentration zu arbeiten, auch wenn es vielleicht doch lange dauert, bis alles vom Lack befreit ist. Man muss ab und zu mit einer kräftigen Kunststoff-Bürste die Metallteile abschrubben, damit aufgelöste Lackschichten entfernt werden und die Natronlauge besser in die noch intakten Lackschichten eindringen kann. Übliche Spülbürsten für die Küche oder Zahnbürsten mit steiferen Borsten sind dafür gut geeignet.

Wenn das Bad seine Wirkung vervollständigt hat, muss man die vom Lack befreiten Zinkteile zunächst vorsichtig aber gründlich mit viel Wasser abwaschen, so dass gar keine Reste der Natronlauge in irgendwelchen versteckten Vertiefungen erhalten bleiben. Das Ergebnis nach dem Bad ist eine matte, graue Metalloberfläche, die aber nun leicht mit den Dremel®-Schleifvorsätzen einheitlich gereinigt werden kann.

Früher habe ich solchermaßen gereinigte Zinkguss-Teile mit feiner Stahlwolle zum Hochglanz poliert und so belassen, bis ich feststellen musste, wie schnell Zink anlaufen kann. Seitdem „bronziere“ ich diese Zink-Oberflächen mit einer von mir entwickelten Methode, die ich im nächsten Unterkapitel beschreibe.